Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt

Dienstag, 9. Mai 2017

Grundschulen: Die alte SEPL-VO2014 nun über die Hintertüre?

Wir werden derzeit Zeugen eines grotesken politischen Schauspiels zum Thema Lehrerversorgung an Grundschulen. Angesichts einer immer offensichtlicher werdenden Unterversorgung hat sich das Bildungsministerium offenbar zu einem Berechnungstrick hinreißen lassen, mit welchem der offensichtliche Notstand beschönigt werden soll.

Der Trick

Quelle GEW Sachsen-Anhalt
Bildungsminister Tullner kündigt im März an, es müssten mehr Anstrengungen unternommen werden, um eine "Richtlinie" 22 Kinder/Klasse zu erreichen. Derzeit gäbe es Klassen, welche mit 13 oder 15 Klassen geführt würden. Diesbezüglich seien perspektivisch und vor allem im ländlichen Raume Klassenzusammenlegungen nicht auszuschließen. Nehmen wir folgendes Beispiel: Eine Klasse mit Ausnahmegenehmigung 13 Kinder und eine Klasse mit 15 Kindern. Eine Zusammenlegung bedeutet also eine Klassengröße von mindestens 28 Kindern - in einem Klassenzimmer von wievielen Quadratmetern - mit welcher Unterrichtsmethodik - in wievielen Fächern? 

Was Minister Tullner NICHT sagte, ist Folgendes: Offensichtlich läuft von Seiten des Ministeriums und des Landesschulamtes bereits die konkrete Umsetzung dieses Gedankens und dies bedeutet eine geringere schülerbezogene Lehrerstundenzuweisung an sämtlichen Schulen. Damit senkt er den Bedarfswert an anzustellenden Lehrkräften um ca. 250 Vollzeitstellen. In Wirklichkeit wird das Angebot an Grundschulen ausgedünnt, indem diese einfach weniger Lehrerstunden zugeteilt kriegen!

Fatale Folgen

Schulen, welche klar ÜBER den geforderten Mindestschülerzahlen der SEPL-VO2014 liegen, sehen sich mit einer Unterversorgung, was Lehrerstundenzahlen für das Jahr 2018 betrifft, konfrontiert. Hier ein aktuelles Beispiel: Hain 63 Schüler mit einer Anfangsklasse von "nur 13" Schüler kriegt 3,2 Klassenlehrer, Rottleberode mit 4 Klassen im Rahmen der SEPL-VO2014 3,8 Vollzeitpensen. 

Auch andere Schulen schlagen Alarm, weitere werden folgen:

Wieder zwei Planungsnormen - eine davon durch die Hintertüre


Ist die SEPL-VO2014 noch in Kraft? Wir meinen ja. Demzufolge ist davon auszugehen, dass Klassen ab 15 Schülern Anspruch auf eine Vollversorgung mit Lehrerstunden haben. Falls dem nicht mehr so sein sollte, muss sofort ein Normenkontrollverfahren eingeleitet werden. 

Richtgröße 22 Kinder /Klasse: Diese wird über eine bundesweite Statistik herbeigeredet. Dabei ist es scheinbar bedeutungslos, ob wir von Städten und ländlichem Raum sprechen. Erstrebenswerte Zielgröße bedeutet für einzügige Grundschulen im ländlichen Raum de facto eine Erhöhung der Mindestschülerzahlen durch die Hintertür. Damit bewegt sich das Bildungsministerium erneut in Richtung Ursprungs-Sepl-VO2014, welche eine Erhöhung auf 80 Kinder im Jahre 2017/18 vorsah. Dieses Vorhaben musste im Dezember 2014 abgeblasen werden, weil es sich als nicht praktikabel für den ländlichen Raum erwiesen hat. Ein weiterer Grund: Ein schwebendes Normenkontrollverfahren, wonach ein derart massiver Eingriff ins Grundschulnetz NICHT auf dem Verordnungsweg angeordnet werden kann. Nun also ein neuer Anlauf.

Vergiftete Suppe für die Standortträger , Lehrkräfte, Eltern und Kinder!


Wieder erweckt dieses Kabinett den Eindruck, als sei diese "geringfügige" Anpassung durch die Schulträger und Lehrkräfte locker zu bewältigen. In Tat und Wahrheit werden durch eine reduzierte Lehrerstundenzuweisung gerade kleinere einzügige Landschulen mit weniger als 80 Kindern zu dem gemacht, wovon das Bildungsministerium seit 2012 ununterbrochen und nicht unterlegt labbert: Schlechte Schulen. Aushungern, indem sie suboptimale Lehrerzuweisungen erhalten. Standortträger werden auf diesem Wege erneut zur Schließung eigentlich bestandsfähiger Schulstandorte gedrängt - natürlich völlig freiwillig....

Unser Bildungsminister sonnt sich medial weiterhin mit Aussagen wie: "In dieser Legislatur werden unter meiner Führung keine weiteren Grundschulen geschlossen". Weshalb bitte werden denn weiterhin Schließungen debattiert oder vollzogen? 
  • GS Bahnhof Hettstedt schließt. 
  • GS Rottmersleben schließt
  • GS Friedrichsaue: Stadtrat kämpft um Erhalt
  • GS Hayn: Wieder Schließungs-Szenarien in der Diskussion.
Die Ausführungen des Bildungsministers anlässlich der letzten Landtags-Session und die Vorab-Erklärung des Finanzministers, wonach es keine weiteren Mittel für Lehrereinstellungen geben werde, machen deutlich, dass dieses Kabinett Bildungsabbau an Grundschulen speziell im ländlichen Raum ganz bewusst vorantreibt.
Dass aber in Halle auch noch weniger Lehrkräfte als vorgesehen ausgebildet werden sollen, ist angesichts der aktuellen Problematik überhaupt nicht mehr vermittelbar.

EINE von mehreren Antworten auf diese Entwicklung besteht für Betroffene im Unterschreiben der Volksinitiative der GEW. Macht mit, druckt Unterschriftenbogen aus, legt sie an Elternabenden und in Geschäften auf. Ziel: Möglichst schnell 30 000 Unterschriften zusammenkriegen!

 



  

Donnerstag, 4. Mai 2017

Mitmachen: Volksinitiative "Den Mangel beenden! - Unseren Kindern Zukunft geben!"

GEW, Elternverbände und Interessengruppen starten in diesen Tagen die Volksinitiative "Den Mangel beenden - Unseren Kindern Zukunft geben!" Gefordert wird die zusätzliche und unverzügliche Einstellung von 1000 Lehrkräften und 400 Pädagogischen Mitarbeitern. Dies ist der Eckwert, um laut GEW Unterricht an den öffentlichen Schulen überhaupt verantwortungsvoll zu gewährleisten.

Es ist erschreckend, dass es für ein derartiges Anliegen überhaupt eine  Volksinitiative braucht, mit welcher die Entscheidungsträger auf  Kurs gebracht werden sollen. Die gesamte Beschönigungstaktik der letzten Jahre, verglichen mit den Realitäten vor Ort. zeigt jedoch eindeutig, dass es politisch einen Trend gibt, wonach "ein bisschen weniger" im Bildungsbereich als gangbarer Weg in Betracht gezogen wird. Das ist ein Skandal, denn:

Eigentlich sollte heute über ganz andere Themen diskutiert werden können:
  • Was passiert in Sachen Schulgesetz-Novelle, welche angekündigt ist? 
  • Wie wird der Bestand der Grundschulen im ländlichen Raum nachhaltig abgesichert, was  weiterhin NICHT gegeben ist?
  • Was läuft in der Lehrerausbildung schief, wenn von hunderten von Bewerbern auf 350 Stellen letztendlich 250 angestellt und die restlichen Interessenten abgelehnt werden, "weil sie nicht in das Profil passen"?
  • Wie lange wird eigentlich noch an dieser Schulbauverordnung mit pädagogisch fragwürdigen 2 - 2,5m2 Raumbedarf/Schüler festgehalten? Ein Unding, welches viele pädagogisch hochwertige Unterrichtsformen von Anbeginn weg ausschließt?
Stattdessen: Notprogramme zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung an unseren Schulen. Die katastrophalen Planungsentscheide der letzten Legislatur hinterlassen ihre Spuren.

Ja, wir unterstützen diese Volksinitiative....

  • Ganz klar: Wir brauchen einen Versorgungsgrad von deutlich über 100%,  um damit Ausfälle und Langzeiterkrankungen abdecken zu können.  
  • Hier sind Unterschriftenbögen zum runterladen. Macht Gebrauch davon, tragt sie auch in Geschäfte, öffentliche Gebäude, Vereinslokale.
30 000 Unterschriften sind nötig, dann kommt das Thema in den Landtag. Dieser kann sich damit befassen, darauf eingehen - er muss jedoch nicht. Damit kommen wir zum nächsten Problem. Das Volk, der Souverän als Bittsteller... bei DEN Abgeordneten, welche durch das Volk gewählt wurden. Mit einem Thema, welches durch diese Landesregierung ganz klar an die Wand gefahren wurde!
Verkehrte Welt!  

Egal. Tragen wir alle dazu bei, dass diese 30 000 Unterschriften so schnell wie möglich zusammen kommen! Das ist ein starkes Zeichen.


Dienstag, 28. März 2017

Grundschulen: "Reine Lehre" = Gähnende Leere !

Grundschule Siersleben
Laut Ankündigung von Bildungsminister Marco Tullner muss man sich im ländlichen Raume in Zukunft in Einzelfällen mit altersgemischter Klassenbildung auseinandersetzen, obwohl dies der "reinen Lehre" (=zweizügige Grundschule mit A- und B-Klasse) widerspreche. Volksstimme v. 23.03.2017 .
Da steht also irgendwas im Raume, worauf in diesem Beitrag speziell eingegangen wird.

Grundschule mit Sekundarschule verwechselt?

Seit Jahrzehnten ist es so, dass sich auf Grund des Lehrer-Fächermixes in den Sekundarschulen eine Zweizügigkeit geradezu aufdrängt. Bis zu 80% der geleisteten Stunden/Klasse  werden durch zwei Lehrkräfte erteilt. Es  macht aus verschiedenen Gründen Sinn, deswegen mit A- und B-Klassen zu arbeiten:
  • stundenplantechnisch sind die beiden Lehrkräfte ausgelastet.
  • es lässt sich ein recht guter Klassenstundenplan für zwei Klassen entwickeln.
  • einzusetzende Zusatz-Fachlehrkräfte können im Normalfall halbtageweise am selben Ort unterrichten. 
  • die Lehrkräfte unterrichten mit demselben Vorbereitungsaufwand zwei Klassen.
Diese Lehr- Struktur ist jedoch an Grundschulen NICHT gegeben. Hier werden über 70% der Unterrichtsstunden durch die  Klassenlehrkraft erteilt. Damit entfällt der oben dargestellte Fächermix der Sekundarschule. Im Weiteren ist in der pädagogisch orientierten Fachwelt, ganz besonders aber in der Entwicklungspsychologie unbestritten, dass Kinder im Grundschulalter noch stärker auf Bezugspersonen fixiert sind.

Von Seiten des Bildungsministeriums drei Argumente für diese A- und B- Klassen, also die Zweizügigkeit:
  •  Unterrichts-Differenzierung. (???) Niemand hat bis heute dargestellt, wie das vor sich gehen soll. Lässt sich dies einfach auf zwei Klassen aufteilen?  Ebenso bleiben die Antworten aus, weshalb denn Unterrichtsdifferenzierung (z.B. individueller Schüler-Lernplan!) nicht im Klassenzimmer umgesetzt werden können. Etwas, was in verschiedenen europäischen Ländern schon längst Standard ist
  • Breiteres Arbeitsgruppen-Angebot: Ja, trifft auf dem Papier zu. Schön eingepackt und abgewickelt im Stundenplan mit 2 bis max. 4 Wochenstunden. Das Bildungsministerium schweigt sich jedoch aus zur Qualität von Schwerpunktthemen, welche in kleinen Schulen unter Einbezug der Ressourcen vor Ort vielfach von besonderer Nachhaltigkeit und in ihrer Vielfalt bemerkenswert sind.
  • Ersatz im Krankheitsfall: Das ist ein Luftballon. Angesichts des bestehenden Lehrermangels können Lehrkräfte sowohl in Stadt- wie in Landschulen schlicht und ergreifend nicht ersetzt werden. Was folgt ist: Stillbeschäftigung, Beaufsichtigung von zwei Klassen, Klassenzusammenlegung. Was bleibt: Unterrichtsausfall ist hüben wie drüben Unterrichtsausfall = Es findet kein regulärer Unterricht statt!! 
Seit 2014 angeregt und nochmal ausführlich dargestellt: Die Problematik Lehrerausfall durch Krankheit muss auf einer anderen Schiene angegangen werden. Weshalb darauf nicht eingegangen wird, bleibt das Geheimnis der Bildungspolitiker und des Landesschulamtes!


"Reine Lehre" war kein Ausrutscher, sondern ist politisch gewollt!

Wer sich in den vergangenen 5 Jahren etwas intensiver mit der Grundschuldiskussion Sachsen-Anhalts befasst hat, stößt inhaltlich immer wieder auf den Kernsatz dieser "Lehre":
  • Die SEPL-VO2014 (auch in der korrigierten Form!) verlangt für die Neueröffnung von öffentlichen Grundschulen vom Standortträger den Nachweis der Zweizügigkeit auf mindestens 5 Jahre! Also 140 bis 200 Schüler. Es wird demzufolge im ländlichen Raume keine neuen Öffentlichen Grundschulen mehr geben! Freie Schulträger sind dort offensichtlich auch nicht mehr gewünscht, wie der Umgang mit Antragsstellern und die Ablehnungsentscheide der letzten Jahre zeigen.
  • Anlässlich der Diskussion um ein Schulschließungmoratorium hat es die damalige SPD-Vorsitzende Kathrin Budde 2014 fertig gebracht, innerhalb eines halben Jahres zwei grundverschiedene Aussagen zu diesem Thema zu machen! Verkündung der "reinen Lehre" und 5 Monate später deren Widerruf ... Allerdings nur bis zu den Kommunalwahlen 2015... Dann kam der Widerruf des Widerrufes...
  • Unangetastet blieb das STARKIII-Programm mit seinem Demografie-Check "mindestens 100 Schüler 15 Jahre nach Projektabschluss". Laut STARKIII-Werbung: Bis 2023 sind alle bestandsfähigen Grundschulen Sachsen-Anhalts saniert. DAS ist die derzeit laufende Umsetzung der "reinen Lehre". Zuständig sind das Finanzministerium und bezüglich Kontrolle des Demografie-Checks das Kultusministerium!


Schikanen der "reinen Lehre"

Seit Beginn der Schulschließungsdiskussion ist klar, dass sich diese Vorgaben im ländlichen Raume nie und nimmer umsetzen lassen. Zweizügigkeit schon mal gar nicht. Mit der Pflicht zur Einzügigkeit und Mindestschülerzahlen für die Bildung von Anfangsklassen werden Riegel vorgeschoben, mit denen alternative Klassenorganisation von Anfang an verunmöglicht wird. 
Was der Freistaat Sachsen seit 2 Jahren gezielt einzuführen beginnt, verhindert die Landesregierung Sachsen-Anhalts gezielt:
  • WENN im ländlichen Raume mit von Jahr zu Jahr stark wechselnden Geburtenzahlen die Bildung von Anfangsklassen (als Jahrgangsklassen!) an der Zahl 13 oder 15 festgezurrt wird, geraten sämtliche einzügigen Grundschulen immer wieder in die Ausnahmesituation, muss jährlich um Bildung von Anfangsklassen und Erhalt der Grundschule gefeilscht werden.
  • Die Bildung von Kombi-Klassen wird durch diesen Erlass zur Bildung von Anfangsklassen verhindert, denn Klassen mit 26 bis 30 Kinder aus zwei Jahrgängen zu unterrichten, ist an sich schon  mehr als grenzwertig. Angesichts der meisten Klassenzimmer mit Brutto-Flächen von unter 65 m2  ist dies aus schulfachlicher Sicht ein Ding der Unmöglichkeit und schlichtweg unverantwortlich!
Die Analyse dieser "Lehre" bedeutet im Klartext: Der ländliche Raum vermag die Anforderungen, was Mindestschülerzahlen und Zügigkeit betrifft, bereits seit 15 Jahren nicht zu erfüllen!  Selbst wenn auf Einzügigkeit zurück buchstabiert wird, sind  Landschulen mit heute um die 80 Kinder (mindestens 80 Grundschulen!)  innerhalb von weiteren 10 Jahren NICHT MEHR bestandsfähig. So sagt es die Bevölkerungsprognose, mit welcher die Standortgemeinden planen müssen.

Leere statt Lehre !

Die ohnehin schon stark ausgedünnte Bildungsinfrastruktur im ländliche Raum verändert sich also perspektivisch in eine bildungsferne, bildungsfreie Zone. Diese Erkenntnis und die Prognose sind nicht neu, seit 2014 mit Zahlen offen gelegt und bereits vom damals zuständigen Kultusminister thematisiert. Die "reine Lehre" (welche in Wirklichkeit lediglich ein Verwaltungsmodell mit vermeintlichem Spareffekt  ist!) lässt sich im ländlichen Raum nicht umsetzen. Dafür kriegte Dorgerloh öffentlich Prügel! Die Tatsache bleibt unbestritten: Mit diesen Vorgaben wird der ländliche Raum immer mehr zum No go für junge Familien!

Der Verordnungs- und Erlassdschungel sowie die Förderrichtlinien des Finanz- und Bildungsministerium lassen jedoch keine Abkehr von dieser "Lehre" zu. Die Ankündigung von Kombiklassen im "Einzelfall" ist eine Nebelgranate, denn niemand weiß, wie das geschehen soll und mit "Einzelfällen" lässt sich keine Schulnetzplanung machen. 

Gesetzesnovelle als Rettungsanker ?

Die CDU wird nicht müde, seit 2014 über Schulverbünde zu unken. Auch ein Jahr nach Bildung der neuen Koalition gibt es keine konkreten Neuigkeiten. Oder doch? 2018 (!!!!) soll eine Gesetzesnovelle eingebracht werden. Inhalt? Ziel? Darüber darf geraten werden. Abkehr von der "reinen Lehre"? Falls ja, weshalb werden denn weiterhin Schulen geschlossen, muss jährlich um die Bildung von Anfangsklassen gekämpft werden? Weshalb nicht ein Moratorium? Wer DAS erwartet, sollte möglichst schnell den Realitäten ins Auge schauen!

Alle Standortträger des ländlichen Raumes, welche STARKIII-Projekte eingereicht haben oder noch einzureichen gedenken, setzen diese "reine Lehre" mit Antragsstellung bereits um. Sie schließen in den meisten Fällen  von heute 3 bestehenden Schulstandorten in den kommenden Jahren 2 Schulen, bereits eingearbeitet im Demografie-Check des zu fördernden Objektes.. Sonst wird das nichts mit dem Demografie-Check!

Eine Gesetzesnovelle würde folgedessen nur noch DEN Schulen helfen, deren Schulträger KEIN STARKIII oder STARK V (auch hier der Demografie-Check!) beantragen. Ihre Schulstandorte sind NICHT in ein Förderobjekt mit 15 Jahre Zweckbindung eingearbeitet.   
STARKIII zurrt diese "reine Lehre" fest und zwar bis ins Jahr 2033/35. Gesetzesnovelle hin oder her, sie ist bei StarkIII-bedingten Schulschließungen wirkungslos!

Klartext geht anders!

1.  Wer sich auf die "reine Lehre" beruft, muss ehrlicherweise Folgendes kommunizieren: 
 " Die bestehenden Gesetze, Verordnungen, Förderrichtlinien und Erlasse der zuständigen Ministerien zum Thema Grundschulen führen bis 2030 angesichts der demografischen Entwicklung und  der bestehenden Vorgaben des Landes  zur Schließung/Fusion von weiteren 80 - 100 Grundschulen im ländlichen Raum. Die Landesregierung hält an diesen Vorgaben fest."

Tullner erklärt genau dies unter dem Titel "Keine weiteren Schulschließungen" in Wanzleben folgendermaßen Volksstimme vom 11.03.2017:


Er müsste ergänzen: "Nach der reinen Lehre, wird es klar zu wenige Schüler geben! Schulschließungen sind unumgänglich"! Stattdessen:Fünf Jahre keine Schulschließungen. Was sind denn 5 Jahre?


2. Soll tatsächlich eine Abkehr von der "reinen Lehre" in Form einer Gesetzesnovelle erfolgen, dann erwarten wir folgende Stellungnahme: "Die Landesregierung hat die Problematik der bestehenden SEPL-VO2014 in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes erkannt und wird spätestens im März 2018 eine Gesetzesnovelle einbringen, mit welcher Landschulen langfristig gesichert werden können. Bis zur Flächen deckenden (also nicht Pilot-Versuche!) Umsetzung dieser Novelle werden keine weiteren Schulen geschlossen". Alles Andere macht keinen Sinn, ist arglistige Täuschung. Mit solchen verbindlichen  Ankündigungen kommen Standortträger überhaupt erst in die Lage, weiter zu planen. 

Es bleiben immer noch all DIE Schulen, welche wegen STARKIII geschlossen werden! Da ist guter Rat teuer.

Stattdessen gähnendes Schweigen.

Freitag, 24. März 2017

Grundschulen Sachsen-Anhalt: DAS hat aber gedauert!

Es lohnt sich, zurückzublicken. Die  Situation, in welcher wir heute mit unseren Grundschulen stecken, ist alles andere als erbaulich. Zwar wird von offizieller Seite immer wieder versucht, dies als überraschende Entwicklung und so nicht vorhersehbar darzustellen. Vielleicht soll dies auch eine Entschuldigung für die nun stattfindenden halbherzigen Versuche sein, die immer offensichtlicher werdenden Versorgungslücken in der Lehrerausstattung zu stopfen. 
Damit ist in Sachen Entwicklung von guter Schule noch gar nichts erreicht. Stattdessen wird seit einem Jahr versucht, WENIGSTENS die Grundversorgung an Lehr- und Betreuungspersonal irgendwie aufrecht zu erhalten. Konzeptionell ist bis heute keine Linie zu erkennen, sondern es finden "von Fall zu Fall-Entscheide" statt. Etwas, was die Standortträger zur Weißglut treibt , da  eigenständige Planung verunmöglicht wird, sämtliche Entscheide bezüglich Lehrerausstattung und Grundschulstandorten in Form von Sondergenehmigungen oder eben -maßnahmen des Landesschulamtes fallen. 

Es lohnt sich, zurückzublicken: 

Ausschnitte aus der Anhörung vom Januar 2014:



Dazu gab es konkrete Fallbeispiele, in welchem diese "kleinen Schulen" in ein tragfähiges Konzept eingebettet wurden. Wie hier dargestellt, ist dies die Grundlage dafür, dass diese Schulen überhaupt erfolgreich arbeiten können. Deswegen VOR den Fallbeispielen der entsprechende Passus der Anhörung, der zusätzlich ergänzt wurde "Rektorat in Zusammenarbeit mit Standortgemeinde".

Und hier nun die Praxisbeispiele: Projektion auf 2023. 






Dieser Vorschlag wurde in den Ausschüssen versenkt und kam dann 2015 mit einer unglaublich oberflächlichen Argumentation und  Ablehnungsempfehlung an uns zurück. Im Januar 2016, also 2 1/2 Jahre nach deren Einreichung wurde die Petition als erledigt erklärt. Eine von uns geforderte Zusatzanhörung, begründet in der Tatsache, dass sich die ganze Schließungsproblematik wegen STARKIII rasant verschärfe und diese Thematik unbedingt einbezogen werden müsse, wurde abgelehnt.

Was wir damals sagten, können wir heute 1:1 zu wiederholen: Wer Schulen im ländlichen Raum perspektivisch halten will, kommt nicht um das Modell jahrgangskombinierte Klassenbildung herum. 

4 Jahre nach dem Start unserer Petition, 38 Monate NACH unserer Anhörung vor dem Petitionsausschuss und getrennten Gesprächen den Bildungsausschüssen CDU/SPD, welche weder zu einer vertieften inhaltlichen Diskussion führten, NACH der völlig unnötigen Schließung von inzwischen 50 Grundschulen kommt jetzt DAS, was wir damals unausweichlich nannten: (Volksstimme 23.03.2017)


Eine Stellungnahme, welche mehr Fragen als Antworten aufwirft, Eltern und Lehrkräfte verunsichern wird, denn:

  • 22 Schüler in einer zusammengelegten Klasse wird es nicht geben, da ja Bildung von Anfangsklassen   "im Ausnahmefall" mit 13 bewilligt wird.... Wir sprechen dann also von 26 Schülern in einer Klasse, vielfach Klassenräume mit einer Fläche zwischen 50 und 60 m2. Dazu möge das Bildungsministerium bitte ein "Handbuch zur Führung von jahrgangskombinierte Klassen" abgeben! Lehrkräfte, GEW und die Vertreter der "reinen Lehre" werden dies sicherlich mit größtem Interesse analysieren - und in der Luft zerreißen...
  • Es gibt laut Bildungsminister Marco Tullner die "reine Lehre", welche "zweizügige Grundschulen mit A- und B-Klassen pädagogisch sinnvoll" betrachten. Hochinteressant! Also mindestens 120 Kinder heute,  folgedessen noch besser 160 bis 180 Kinder, wenn man Zukunft auf die kommenden zehn Jahre planen will, nicht wahr? Stammt denn diese "reine Lehre" von STARKIII oder dem Landesrechnungshof und was hat dies mit gutem Unterricht zu tun? 
  • Wir bezahlen also "einen Preis", wenn wir Landschulen halten. Nicht direkt gesagt, aber es kommt schon rüber, was der Bildungsminister sagt: Pädagogisch sinnvoll ist das offenbar nicht...Eine C-Liga. Im Vergleich zur "guten Schule" also eine "schlechte Schule". Hatten wir das nicht schon 2014 im Landtag? So ein Unsinn! Mit Folgen, denn: Da stürzen sich alle Beteiligten  doppelt motiviert auf dieses pädagogisch nicht empfohlene Modell, welches das Bildungsministerium ab nächstem Jahr "von Fall  zu Fall" anzuwenden gedenkt...(Ironie aus). 
Was  hier ankündigt wird, ist genau das, wovor wir immer gewarnt haben. Jahrgangskombinierte Klassenbildung unter dem Motto größere Klassen mit dem alleinigen Ziel, Lehrkräfte einzusparen, ist zum Scheitern verurteilt. Wir haben in obigen Fallbeispielen ganz deutlich dargestellt, in welchen konzeptionellen Rahmen dies eingebunden werden muss und eigentlich ohne Schwierigkeiten erfolgen kann. DAVON hört man jedoch gar nichts. Genau so wenig wie von der inhaltlichen Ausgestaltung der Schulverbünde, mit denen die CDU seit 2014 (NACH unserer Anhörung!!) hausiert!

Halten wir fest: 

  • 40% aller Schulstandorte in Österreich arbeiten mit jahrgangskombinierter Klassenbildung. Ca. 12% davon mit Schulgrößen von weniger als 25 Kindern.
  • Immer mehr Stadtschulen in Österreich und der Schweiz führen die jahrgangskombinierte Klassenbildung auch in großen Schulen mit 300 und mehr Kindern ein. In der Schweiz nennt sich dies Altersdurchmischtes Lernen (AdL), gemeint: Klassen werden gebildet aus Schülern 1-3. Klasse , 4.-6 Klasse / oder 1./2 Klasse, 3./4. Klasse, 5./6. Klasse. 
  • Alleine Niederbayern hält 56 Schulstandorte mit total 99 jahrgangskombinierten Klassen vor. 
  • Der Freistaat Sachsen führt das Konzept "Jahrgangskombinierte Klassenbildung für den ländlichen Raum" seit 2015 schrittweise ein, inzwischen profitieren davon etwa 20 Schulstandorte.
Dieser offensichtliche Trend rund UM Sachsen-Anhalt widerspricht  der "reinen Lehre" IN Sachsen-Anhalt, auf welche sich unser Bildungsminister beruft. Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.



Samstag, 4. Februar 2017

Dauerthema Lehrerausfall durch Krankheit: Lösungsvorschlag

Seit der Gründung des Aktionsbündnisses Grundschulen vor Ort, das sind inzwischen 4 Jahre, ist das Thema Vertretung von krank gewordenen Lehrkräften ein Dauerbrenner. Es gibt bis heute keine Antwort der Landespolitik, WIE diesem völlig normalen Umstand wirkungsvoll begegnet werden soll. Nein, man mogelt sich durch, legt Klassen zusammen, beaufsichtigt durch pädagogische Mitarbeiter, sofern überhaupt noch vorhanden und trägt in der Statistik im Landesschulamt ein:"Verlässliche Öffnungszeiten UND Unterricht haben stattgefunden". Damit hausiert man dann in der Öffentlichkeit und redet das ganze Thema schön, wissend, dass die Realität eine völlig Andere ist. Hierzu auf dem Landesschulamt rumzuhacken ist unnötig, das Problem muss im Bildungsministerium, im Finanzministerium und im Landtag gelöst werde. Hierzu ein konkreter Vorschlag für die Grundschulen.

Krankheitsvertretungen vom normalen Anstellungsprozedere trennen!

1. Jeder Schulleiter, jede Schulleiterin führt eine Liste mit Personen aus der Region, welche eine abgeschlossene Lehrerausbildung vorweisen können, nicht in einem Anstellungsverhältnis mit dem Lande stehen oder vor Kurzem in Rente gegangen sind. Diese Personen können kurzfristig über die Schulleitung bei Krankheitsfällen eingesetzt werden. (Unterrichtsausfälle bis zu drei Tagen.) Entschädigung erfolgt über das Bildungsministerium.

2. a) Lehrkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung - egal in welchem Bundesland!- welche NICHT in einem Anstellungs- oder Beamtenverhältnis mit dem Lande stehen, können ihre Unterlagen beim Landesschulamt einreichen und sich auf eine so genannte Stellvertreter-Liste setzen lassen.
B) Das Landesschulamt führt online eine Liste von vakanten Lehrerstellen, welche zeitlich befristet besetzt werden müssen. (z.B. bis max. 12 Monate). Fällt nun eine Lehrkraft länger als z.B. eine Woche aus, wird diese Vakanz online publiziert und zur Besetzung ausgeschrieben, oder greift man auf bereits vorhandene Interessenten auf der Bewerberliste zurück. Dabei kann es auch sein, dass die Lehrkraft, welche von der Schulleitung bereits für den Kurz-Ausfall eingesetzt wurde, eine längerfristige Vertretung übernimmt, so sie dazu bereit ist. Diese Stellvertretungen sind zeitlich befristet und entsprechend speziell entschädigt (=Lohn inkl. allfällige Ferienentschädigung etc.)

3. Das Bildungsministerium erstellt sofort die für dieses Modell notwendigen formalen Voraussetzungen. Im Rahmen der Haushaltsberatungen 2017/18 werden die dafür notwendigen Mittel im Haushalt eingestellt. Diese errechnen sich an der statistischen Ausfallquote der letzten 2 Jahre. 

4. Die Landtagsfraktionen fordern diese Lösung mit Nachdruck!

Geht nicht - gilt nicht! Es "geht".

In einem früheren Beitrag zum Thema Finanzielle Ausstattungvon Grundschulen und Kompetenzen ist im Abschnitt "Schulleitung" das Verfahren beschrieben und konkret dargestellt. Diese Methode wird in der Schweiz und zu großen Teilen in Österreich Flächen deckend und seit über 20 Jahren praktiziert, wenn es um den kurzfristigen Ersatz krank gewordener Lehrkräfte geht. Bayern arbeitet mit einem Schulhaus bezogenen Vertretungspool.  Wer also sagt, "geht nicht", der will nicht. 


Sonntag, 1. Januar 2017

2017



An dieser Stelle allen einen guten Start ins 2017, welches ja bereits sehr sonnig begonnen hat. 
Wir wünschen Eltern und Elternverbänden, Lehrkräften, Lokal- und Regionalpolitikern für 2017 gute Nerven und einen kritischen Blick auf das, was mit der Ausgestaltung der Grundschullandschaft in Sachsen-Anhalt im Flusse ist. 

Thematisch haben sich die Gewichte verschoben. Unterrischtsversorgung ist derzeit das heißeste Thema, weiterhin gefolgt vom offensichtlichen Sanierungsstau an vielen Grundschulen, welcher aber nicht durch STARKIII behoben werden kann, da die Schule zu klein ist. Inzwischen ist es aber so, dass zu unserem Thema Grundschulen nicht mehr alles blind umgesetzt wird, was von oben angeordnet oder gewünscht wird. Dies zeigen diverse kommunale Entscheide der letzten Wochen, in denen neue Prioritäten gesetzt, nicht mehr nur fördergeldorientiert  Schulen geopfert werden. 

Die Schulverbünde sollen laut Ankündigung der CDU-Fraktion im März in den Landtag eingebracht werden. Dann erst werden wir erfahren, was sich aus Politikersicht tatsächlich hinter dem Begriffe versteckt und welches die praktische Umsetzung sein könnte - dort wo es überhaupt noch kleine Schulen gibt. Die Schulverbünde kommen 3 Jahre zu spät, was uns ca. 50 Grundschulen gekostet hat und noch viele weitere Schließungen nach sich ziehen wird bis dieses Modell im optimalen Sinne flächendeckend greifen wird.

Ja, und so lange zu diesem Thema aus Magdeburg keine Neuigkeiten reinflattern, gibt es hier eigentlich nicht mehr viel zu schreiben. Es ist alles gesagt.  Die Tagesaktualitäten werden in unserer Facebook-Gruppe diskutiert. 


Den Bildungspolitikern im Lande empfehlen wir eine sehr gewissenhafte Analyse der Ergebnisse mehrerer Studien bezüglich der Folgen von Gemeindegebiets- und Schulreformen in anderen Bundesländern. Besonderes Augenmerk sollte auf die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen gelegt werden.

Ansonsten: Nehmen wir 2017 wie es kommt - daran können wir eh nichts ändern, aber machen wir das Beste daraus.

Mittwoch, 14. Dezember 2016

Grundschulverbünde: "Es bleibt dabei ........Mehr ist dazu nicht zu sagen"

Letzte Woche gab es hohe Wellen zum Thema Grundschulverbund, Auslöser waren Infos der Bürgermeisterin der Stadt Seeland und des Stadtratsvorsitzenden und Ortsbürgermeisters von Frose, welche in der MZ anschließend wiedergegeben wurden. Diese Aussagen haben wir zitiert und darauf bauend die Aussage gemacht, dass sich die CDU von den Schulverbünden verabschiedet. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten, nachzulesen auf der FB-Seite der Landtagsfraktion.

Es ist richtig: Im Koalitionsvertrag stehen die Schulverbünde. Was ist denn drin in dieser Tüte? :

Angedacht  ist  also "zwei oder mehrere bestehende Grundschulen" organisatorisch zusammenzufassen. Man kann dies so verstehen, dass diese Schulen unter einer Schulleitung geführt werden. Nicht beantwortet ist ihr rechtlicher Status. Sind sie als eigenständige Schule im Ort verankert, oder rechtlich als "Außenstelle" der größten Schule des Verbundes zu betrachten?  Mehr dazu später. Ebenso unverkennbar ist, dass in diesem Koalitionstext Pro und Kontra Positionen der Koalitionspartner eingeflossen sind. 

Nun den Farben folgend:
  • Bei zwei Schulen "nicht unter 120" Schülern. Also könnten im ländlichen Raum zwei Schulen mit 60 und 70 Kindern einen Schulverbund bilden? Wohl kaum, denn wenige Jahre später haben sie weniger als 120 Schüler... Ist zur Bildung des Schulverbundes also ein Demografie-Check nötig? z.B. Bestandsfähigkeit auf 10 Jahre? 
  • Wenn nun ein dritter Standort dazu kommt: Wie hoch ist dann die Mindestschülerzahl für den gesamten Schulverbund? 120, 140, 160, 180, 200? Ein Detail? Nein: Denn bereits hier entscheidet sich, ob der wirklich ländliche Raum mittelfristig überhaupt genügend Schüler in den Schulverbund einbringen kann. DIESE Frage beschäftigt die einzelnen Schulleiter und Behörden seit 2014 - und die Beantwortung wäre  gerade jetzt im Zusammenhang mit laufenden Förderanträgen sehr hilfreich. (STARKIII oder STARKV -Antrag stellen?)
  • Der Personaleinsatz wäre ja im Schulverbund durch den zu bestimmenden Schulleiter zu organisieren.  Wovon muss er ausgehen? Verbeamtete Lehrkräfte mit Anspruch auf Vollzeitbeschäftigung, welche er nun einsetzen "muss?" Budget für eigenständige Ausschreibung von Fachlehrstellen in Teilzeit? Klassisch schülerbezogene Lehrerstundenzuweisung oder 100% Vollzeiteitäquivalent/pro eine zu definierende Anzahl Schüler?
  • Kein erhöhter Aufwand an Ressourcen: Gemeint sind wohl Lehrkräfte. Der Schulleiter könnte also auch Gefahr laufen, angesichts der in den kommenden Jahren spärlichen personellen Ressourcen wenigstens einen von drei Schulstandorten zumindest suboptimal auszurüsten. 
  • Auch Schulschließungen bedeuten ja einen erheblichen Mehraufwand oder Vernichtung an natürlichen  Ressourcen - einfach in einem anderen Zuständigkeitsbereich, darüber bestehen keine Zweifel (Schülerbeförderung, Standortattraktivität, mittelfristige Steuerkraft). Darf man da gegenrechnen?
  • Entscheidend für die Personalplanung des Schulleiters wird jedoch sein, ob auch in kleinen Schulen weiterhin in Jahrgangsklassen oder in klar jahrgangsdurchmischter Klassenorganisation unterrichtet wird. (Also bei 40 Schülern 4 Klassen mit Klassenlehrern oder 2 Klassen 1./2. 1 Klassenlehrer, 3./4. Klasse 1 Klassenlehrkraft.  Weiterhin fehlt das klare Bekenntnis zu dieser Form der Schulorganisation- es wird von jahrgangsübergreifendem Unterricht gesprochen = findet in ausgewählten Fächern statt. Sie ist aber der Schlüssel für eine erfolgreiche Einführung von Schulverbänden.
  • Pädagogische Qualität: Wieder wird er Eindruck erweckt, kleine Schulen hätten schlechtere Schulqualität. Wie das? Die Stellen sind doch völlig normal besetzt. 
  • Der immer wieder gehörte Verweis auf die Vielfalt der Arbeitsgruppen an "großen Schulen" ist unglücklich. Seit Jahren fallen da ganze Gruppenkurse wegen Personalmangels aus. Man muss sich auf die "Grundversorgung" konzentrieren. In kleinen Schulen wird dies vielfach in Form von themenzentriertem Werkstattunterricht und Themenwochen in den Klassen viel effizienter und nachhaltiger betrieben.
  • Das "pädagogische Konzept" muss nicht neu erfunden werden. Was hier Konzept genannt wird, ist eine veränderte Lehrerrolle. Was im Jahrgangsklassenunterricht als "Unterrichtsdifferenzierung" an pädagogischen Hochschulen vermittelt wird, ist in jahrgangsgemischten Klassenverbänden beruflicher Alltag.
  • Das verlässliche Vertretungskonzept. Funktioniert es denn an den großen Schulen? Weshalb lässt man diesbezüglich nicht heute schon die Schulleiter mitdenken und mitarbeiten, lokale Vertretungspools aufbauen, um unkompliziert "Springer" mit Lehrbefähigung kurzfristig abrufen zu können? Langfristige Vertretungen müssen eh durch das Landesschulamt bereit gestellt werden und wie wir sehen, funktioniert das nur zum Teil.
Das alles sind inhaltliche Fragen, welche Behörden und Lehrkräfte gleichermaßen interessieren. Gestellt wurden sie vom  Aktionsbündnis bereits 2014 in mehreren Beiträgen hier und hier. Es geht dabei um Inhalte - und wie wir sehen, hat sich an dieser Situation nichts geändert.

Wir sagen:

Diese, inzwischen zweijährige Ankündigung hat Potential auf zwei Seiten:
  1.  Es werden irgendwann ab 2020 Schulverbünde als klar geregelte Schulform Flächen deckend eingeführt. Das ist positiv. Für 50 bereits geschlossene Schulen in den Jahren 2013-16 klar zu spät. Dazu hätte man ein Schulschließungsmoratorium benötigt. Dann wenigstens noch retten, was zu retten ist, würde man meinen.  Es gibt aber ein weiteres Problem, dargestellt auf der Zeittafel, welche 2014 erstellt wurde. Damals galt noch die alte SEPL-VO2014. Die Jahreszahlen waren optimistisch, was die Umsetzung von Schulverbünden betrifft, man kann also bis zu deren wirklicher Einführung (nicht Pilotversuche) an Stelle von 2017/18 die Jahre 2019/20 einsetzen. Man beachte die Wirkung von STARKIII auf die noch bestehenden kleinen Schulen.
  • 2. Der Kern des Koalitions-Schulverbundes besteht im Wesentlichen darin, dass Schulleiterstellen auf weniger Standorte konzentriert werden, ohne dass diese auf ein Personaleinsatzkonzept zugreifen können, welches wirkliche Schulverbünde auch ermöglicht. Das wäre dann ganz schlecht, denn: Damit wird die weitere Schulschließungsdiskussion vom Land auf die Schulleiter und Standortgemeinden delegiert, wobei  die Vorgaben des Landes mittelfristig gar keine andere Möglichkeit als Aufhebung kleiner Schulen zulassen. Da stellt sich nun die Frage: Wenn diese Verbundsschulen KEINE rechtlich eigenständigen Standorte mehr sind, dann geht eine solche Schließung natürlich ratzfatz. Schulleiter hat zu wenig Personal, Unterrichtsversorgung gefährdet, man muss Prioritäten setzen. An "Anmanern" wird es nicht fehlen.  Wir kennen das aus den Kommunen: Klamme Kassen rufen die Kommunalaufsicht auf den Plan. Dann geht es an die Dorfgemeinschaftshäuser, Freizeiteinrichtungen, Jugendeinrichtungen etc.  Ein kurzer Weg zu folgender Aufforderung: Ist der  Erhalt von drei Schulstandorten eine obligatorische Aufgabe, oder hat sich der Standortträger aus Spargründen auf einen oder zwei Standorte zu beschränken? Alles schon gehabt.


Deshalb bleibt unsere Kritik stehen

  1.  Wer eine Gesetzesnovelle ankündigt, hat das Ziel, die rechtlichen Grundlagen zu schaffen, um ein neues Konzept/Projekt zu realisieren. Der Titel Schulverbund gibt da nichts her. Es muss also konkrete inhaltliche Vorstellungen geben - die aber der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt werden! Weshalb eigentlich? Das ist doch eine Chance, Betroffene mit einzubeziehen, gedanklich mitzubeteiligen und damit das Projekt zum Erfolg zu bringen. Die Änderung des Schulgesetzes ist dann noch eine Formalie, vor allem wenn der Inhalt von der Bevölkerung mitgetragen ist. Gleichzeitig können sich Standortgemeinden und Schulleiter gerade in den aktuell drängenden Planungsfragen mit konkreten Alternativen beschäftigen und nicht mit der Hoffnung auf bessere Zeiten und "Gut Ding will Weile haben" vertrösten.
  2. Die getitelte Aussage "mehr ist dazu nicht zu sagen" ist eine Machtdemonstration. Sie suggeriert:"Wir wissen, was wir wollen, 2017 gibt es das Gesetz". Es ist toll, dass offenbar einige Wenige  einen klaren Weg sehen. Tragisch ist es jedoch, dass die lokalen Verantwortungsträger, welche diesen Weg beschreiten wollen oder müssen, bestenfalls durch Zuruf aus politischen Hinterzimmern auf eine gefährliche Gratwanderung geschickt werden. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb dieser Weg seit mehr als zwei Jahren NICHT ausgeschildert und gesichert wird. 
  3. Wir halten sehr realistisch fest: Das Kind Schulverbund ist im Grunde genommen 2014 in den Brunnen gefallen (Ablehnung des Schulschließungsmoratoriums, Nicht-Anpassung STARKIII an SEPL-VO2014). Gefolgt sind ihm rund 50 Grundschulen. Nicht reanimierbar. Wer also weitere Schulen retten will, sollte als Erstes dafür sorgen, dieses Brunnenloch zu sichern. Dutzende weiterer Schulen werden in dieser ungesicherten Baustelle zu Schaden kommen (über STARKIII, Demografie-Check bis Sept. 2017 auf Grund veralteter Bevölkerungsprognose und völliger Ungewissheit, wie denn diese Schulverbünde konkret aussehen sollen..) 
  4. Wer also wirklich Schulen retten will, egal mit welchem Konzept, holt vorerst mal DAS nach, was 2014 verpasst wurde. Stopp weiterer Grundschulschließungen, und zwar so lange, bis diese gesetzlichen und konzeptionellen Neuerungen verfügbar und Flächen deckend einsetzbar sind. Dann macht sogar der Spruch "Gut Ding will Weile haben" wieder Sinn.
Für Mitglieder des Aktionsbündnisses wenig Neues. Dauerfragen. Für Standortgemeinden immer neue offene Wunden, welche seit Jahren brennen und nicht verarztet werden. ..und alle Betroffenen im ländlichen Raume Sachsen-Anhalts kriegen langsam Halsstarre auf der Suche nach dem seit 2 Jahren angekündigten Rettungsboot, welches jedoch nicht konkret sichtbar ist. 

Weder kennt man die Größe und damit die Beantwortung der Frage, ob alle Gestrandeten Platz haben werden, noch gibt es Gewissheit darüber, ob es sich beim vermeintlichen Rettungsboot möglicherweise um ein Kanonenboot handelt, welches die Insel unter Beschuss nehmen wird -und das Rettungsboot kommt dann hintennach.  Nein, "mehr ist derzeit dazu nicht zu sagen". 

Damit ist aus unserer Sicht alles gesagt.