Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt

Mittwoch, 17. August 2016

Sprechen wir mal "von Schule": Möblierung der Klassenzimmer - ein Gesundheitsrisiko!

Das neue Schuljahr hat begonnen. Neben den Berichten über die Einschulungen und den ersten Schultag dominiert das Thema Unterrichtsversorgung. Sicherlich wichtig und eine Grundvoraussetzung für einen geregelten Schulbetrieb. Das Thema wird uns über das gesamte Schuljahr 2016/17 begleiten. Daraus könnte man ableiten: Guter Unterricht ist garantiert, wenn jede Klasse eine verantwortliche Klassenlehrkraft hat und das wars dann.  Dass noch ganz andere Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf Lernerfolg haben, wurde in den Beiträgen "Kindgerechter Schulhausbau"  am Beispiel der Diesterweg-Schule in Halberstadt,  "Finanzielle Ausstattung und Kompetenzen" und "Klassenzimmer- Wartsaal oder zweite Lehrkraft?" dargestellt. Was nun folgt ist das Thema Möblierung der Klassenzimmer. Auch dies ein zentrales Element für modernen Unterricht, aber auch verantwortlich für das Wohlbefinden von Kindern / Jugendlichen und damit für Lernerfolg.

Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung..

In der Arbeitswelt schon längst ein Begriff und umgesetzt. Sicherlich ein Verdienst der Gewerkschaften, aber ganz besonders der Mediziner, welche schlüssig nachweisen konnten, dass bestimmte Berufserkrankungen und damit verbunden hohe Sozialkosten vermieden werden können, wenn mehr präventiv gesundheitliche Aspekte in die Arbeitsplatzgestaltung einfließen. Heute ist dieses Thema ein eigentlicher Wirtschaftszweig, begründet in der Tatsache, dass Arbeitnehmer einen Großteil ihrer Lebenszeit am Arbeitsplatz verbringen und eine optimale Gestaltung gesundheitliche Schädigungen vermieden werden müssen.

...Fehlanzeige in den Schulen

Setpreis 140 € - 180 €

All diese Argumente scheinen für die Lernenden an den Allgemein bildenden Schulen kein Thema zu sein. Wer ist eigentlich zuständig für die Möblierung? Die Standortgemeinden. Nach welchen Richtlinien? In der Empfehlung der Kultusministerkonferenz aus dem Jahre 2008 wird die DIN-ISO 5270 aus dem Jahre 1981 als Richtschnur angegeben. Erweitert wird dies in den letzten Jahren durch die verfeinerte europäische DIN-en 1729-1, wobei ein wesentlicher Aspekt offensichtlich nicht zum Tragen kommt, das so genannte dynamische Sitzen. So finden wir in den meisten Klassenzimmern Schulmöbel, wie sie hier bildlich dargestellt sind.

Stundenlanges statisches Sitzen ist Gift für den Körper im Wachstum

135 € - 185 € pro Stuhl
ab 210 € /Einzeltisch
Ein Großteil der Haltungsschäden von Kindern und Jugendlichen wird mit falscher Sitzhaltung während der Schulzeit begründet. Das kann verschiedene Ursachen haben: Falsche Einstellung der Schulmöbel, generell zuviel Sitzen, zu langes Arbeiten oder Zuhören in immer derselben Sitzposition. Schlechte Arbeitswinkel an Schultischen. Eine Untersuchung aus dem Jahre 2001 zeigt, dass bereits Grundschüler pro Tag bis zu 9 Stunden in Sitzhaltung verbringen - etwas was eigentlich dem Wesen dieser Altersgruppe völlig widerspricht. Diese Werte haben sich seither zweifellos erhöht.

Somit ist es eigentlich ein Gebot der Stunde, alles zu unternehmen, um diesen Zustand zu ändern. Die Gesundheitsorganisationen weisen seit Jahren auf diese Problematik hin. Beispiel AOK, S. 10-12: Möbel gegen das Sitzen bleiben! Der Beitrag stammt aus dem Jahre 2004!  WAS hat sich seither getan?  Alternativen gibt es viele: Einzelpulte individuell verstellbar mit Neige-Arbeitsfläche, Schülerstühle als Drehstuhl mit Gaslift, Stehpulte, Sitz-Liegeflächen am Boden. All das ist seit über 30 Jahren auf dem Markt und fällt mit schöner Regelmäßigkeit bei Neueinrichtungen der Kosten wegen aus dem Rennen. Wo finden wir solche Einrichtungen?    Hier wird das gesamte Spektrum des Zusammenwirkens von Klassenraumgestaltung, Einrichtung und sich daraus ergebenden Lehrmethoden dargestellt. Ganz klar, dass damit die Lernatmosphäre nachhaltig verändert wird. 

Das Dilemma der Kommunen

Als Standorträger sind sie weitgehendst für die Einrichtung der Klassenzimmer zuständig. Dafür gibt es auch nur in  beschränktem Rahmen finanzielle Unterstützung. Angesichts der chronischen Unterfinanzierung steht also der günstige Anschaffungspreis im Vordergrund. Es ergibt sich eine Spannweite von 150-180 € für zwei Schülerarbeitsplätze mit sehr statischen Eigenschaften und Kosten von 250 € - 320 € für einen dynamischen Schülerarbeitsplatz.

Was für einen Speiseraum, die Bestuhlung der Aula  oder des Musikraumes als Billigmöblierung noch angehen mag, ist  im Bereiche Klassenraum eindeutig ein Sparen auf Kosten der Gesundheit der Kinder, verbunden mit einer eingeschränkten Lernqualität. 

Wie anders ist doch der Umgang mit dem Thema Büroarbeit und optimalem Sitzen, hier ab S. 22.   und wie schnell kostet in dieser Branche  ein guter  Bürostuhl 300 €?  Der Unterschied zwischen den berechtigten Ansprüchen eines Sachbearbeiters und denen eines Grundschülers bezüglich gesundem Arbeitsplatz ist nicht auszumachen. Oder doch? Wer von den beiden sitzt eher 45 Minuten nonstop auf seinem Stuhl?

Kein Thema, wir haben andere Probleme

"Gut habt ihr keine anderen Probleme, wir sind vorerst mal froh, wenn wir genügend Lehrkräfte haben", werden jetzt Politiker, Eltern und Lehrkräfte sagen. Genau! Seit 5 Jahren kommen wir NICHT über diesen Punkt hinaus, sprechen jedoch dauernd von Unterrichts- und Lernqualität... So lässt sich die Beitragsserie "Sprechen wir mal von Schule" wie folgt zusammen
  • wir sind damit beschäftigt, einen grundsätzlichen Sanierungsstau an unseren Schulen mit EU-Fördergeldern äußerlich zu beheben und halten dann Unterricht mit 24 und mehr Kindern in 50 m2- Klassenzimmern(brutto! bei Erfurt II), welche genau EINE Unterrichtsform zulassen. Reihenbestuhlung und Frontalunterricht. Wir verbuttern Geld in eine Hüllensanierung, welches mit Abriss und Neubau viel besser angelegt wäre.
  • wir hausieren mit Ansteckknöpfen wie "gesunde Schule", "bewegte Schule" und haben die Möglichkeit, zwei Wochenstunden dafür aufzuwenden - hoffentlich nicht im Klassenzimmer.
  • wir sprechen von Individualisierung und Inklusion und stoßen bei konkreter Umsetzung auf das Problem, dass wir gar keinen Platz für eine zweite Lehrkraft (sofern überhaupt vorhanden!) im Klassenzimmer haben.
  • wir sprechen von Werkstattunterricht wo kein Platz zum Aufbau einer Werkstatt ist / von Wochenplanunterricht, der auf Grund räumlicher Enge und fehlender Arbeitsstationen am angestammten Sitzplatz stattfinden  muss.
  • wir betreiben also Etikettenschwindel im großen Stil, denn richtig: Zuerst müssen wir mal die Grundversorgung sicher stellen, sonst geht gar nichts. Seit 5 Jahren und mit Sicherheit nochmals 5 Jahre... DANN können wir uns anderen Themen widmen.
So betrachtet, ist das Thema dynamischer Arbeitsplatz, methodisch kindgerechter, abwechslungsreicher Unterricht in der "To-do-Liste" weit unten anzusiedeln. Für Folgeschäden kommen ja dann eh andere Institutionen auf, nicht wahr?  ..und zwar folgendermaßen.  Da findet man dann interessante Ratschläge und Begründungen

Unnötiger Exkurs. Wir hier sprechen ja nur von Kindern...

Dienstag, 9. August 2016

Sprechen wir mal "von Schule" - Klassenzimmer: Wartsaal oder "die zweite Lehrkraft" ?


Wir befassen uns heute mit  den Räumen in welchen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 - 16  mehr als die Hälfte ihres Lebens verbringen. Es sind zwei Punkte, welche im Vordergrund stehen: Nutzung des Raumes  und Möblierung. Der Titel deutet es schon an, hier geht es um die Nutzung. Das Bild links zeigt ein Klassenzimmer um 1900 herum.  Der dazugehörige Beitrag ist sehr lesenswert. Schule um 1900 eben. "Und auch aus diesen Jungs und Mädchen ist was geworden", höre ich bereits. Ja, das ist so.




Das Bild rechts oben und die Bilder dieses Abschnittes zeigen Klassenzimmer von heute. In den meisten Grundschulen sehen wir nach wie vor die klassische Bestuhlung und sie besagt etwas: Gängigste Unterrichtsmethodik ist Frontalunterricht. Dies wiederum bedeutet für die Schüler: Viel sitzen, viel zuhören, wenig Eigenaktivität und Bewegung. Ja, es gibt auch andere Klassenraumbestuhlungen, sie sind lobend zu erwähnen, denn sie machen auf den ersten Blick klar, dass Unterricht in diesem Raum anders abläuft.


Auszug aus einem Vortrag für Lehrkräfte und Schulbehörden

....Wir können das Klassenzimmer auf zwei Arten definieren: 
  • Die Hülle, der Raum, in welchem Lernen stattfindet. Austauschbar und gemessen an der Vorgabe, dass hier bis zu 30 Schüler Platz haben müssen. Das erinnert in seiner Vorgabe an das Bild aus dem Jahre 1900. 
  • Als Raum, welcher den Schülern  abwechslungsreiches Lernen, Üben ermöglicht. Als Raum, welcher verschiedenste methodische Maßnahmen gleichzeitig zulässt und damit die Rolle der Lehrkraft weg vom Klassenmittelpunkt und Dompteur  hin zum Berater/Coach verändert. Damit werden wir uns befassen.
  • Ziel für die Schüler: Möglichst viel eigenes Handeln, Erfahren, Gestalten, Redeanteile erhöhen (selbst sprechen, sich selbst einbringen) , um damit die eigentliche Übungszeit  massiv zu reduzieren. Aufbrechen des 45-Minuten-Sitzens durch kürzere Lehr- und Lerneinheiten und Bewegung. Ein 90-Minuten-Block an Arbeitsstationen ist bedeutend kurzweiliger als eine 45 -Minuten-Lektion im Frontalunterricht - für alle Beteiligten.
  • Ziel für die Lehrkraft: Dank guter Unterrichtsorganisation schwerpunktzentriert und/oder individualisierend arbeiten , wissend und sehend, dass an den anderen Stationen sehr wohl gearbeitet wird. (Nebeneffekt: Die Lehrperson arbeitet unter diesen Rahmenbedingungen deutlich entspannter und effizienter.) Und noch etwas: Verordnete Stillbeschäftigung in Übungsphasen mit einem einheitlichen Arbeitsauftrag für die ganze Klasse gibt es nicht mehr. Dazu ist die Unterrichtszeit zu kostbar.
Wesentliches Element für diese Transformation der klassischen Lehrerrolle sind feste Arbeits- und Übungsstationen/-posten, auf welche in den verschiedensten Fächern dauernd zugegriffen werden kann. Einige seien aufgezählt:
  • Ausreichend Ablageflächen. Genutzt für: Kleine Gruppenarbeiten/ für Arbeitsmaterialien der Gruppen, an denen später weiter gearbeitet wird, für Einzelarbeiten, für Einzeltraining oder Partnerarbeiten.
  • Ein freier Gruppentisch für bis zu 6 Personen. Genutzt für: Geführte Trainings durch Lehrkraft im Bereich Leistungsdifferenzierung, Spezialaufträge, Fachspezifische Intensiv-Trainingseinheiten.
  • PC-Station. Optimalerweise 4 PC-s bei Klassengrößen bis max. 24 Kinder, welche einzeln, aber auch von zwei Schülern besetzt werden können. Täglich genutzt  für: Lernspiele/Training (mit Erfolgskontrolle) alleine oder zu zweit, Schreibwerkstatt,  Schülerzeitung oder Wochenbericht, Rechtschreibekontrollen und Mathetrainings, Entdecken forschen usw. usw.  
  • Wandtafel - (Digitaltafel ist kein Ersatz sondern lediglich Ergänzung*). Anwendung: Klassische Wandtafel ist eine ideale Übungsstation, an welcher bis zu 6  Schüler mit gezielten Aufgaben beschäftigt werden können. Ergebnisse sind nachher für ganze Klasse sicht- und nachvollziehbar. Bilder, Plakate, auch Zeichnungen etc. können problemlos aufgehängt und besprochen werden. * Digitale Tafel beschäftigt einige Wenige und will betreut sein. Viele Dinge - gerade im Einführungs- Lehrbereich, also in geführten Lektionen lassen sich genau so effizient über PC-Beamer-Leinwand/Board präsentieren, wenn man keine Wandtafeldarstellung mehr wünscht.
  • Freifläche: a) im Klassenzimmer:Hier kann man mal im Kreis zusammensitzen, Legespiele, Geschicklicheitsspiele, Theaterrollen oder Rollenspiele, Plakate oder Wandzeitung gestalten usw. usw. b)wo vorhanden Frei-Grünfläche vor dem Klassenzimmer, (ebenerdig und visuell kontrollierbar) nutzen: Konkrete Arbeitsaufträge für Gruppen im Bereiche Übungsphasen oder Projekte.
  • "Schülerecke": Durch Kinder selbst eingerichtet, Sofas oder Matratzen, Relax-Zone, wo man auch mal nix tun darf, oder als Leseecke nutzen. "Wochenstundenanspruch"/Kind definieren. 
  • Stauraum: Je mehr Schulmaterial im Klassenzimmer durch die Schüler selbst greifbar ist, um so vielfältiger werden die Angebote im Klassenzimmer.
Unterrichtsorganisation: Wochenplan/Individualisierter und fortzuschreibender Lehrplan, Werkstattunterricht, persönliches Lernheft mit allen Arbeitsaufträgen. Klar geführter Unterricht bei Einführungslektionen.

Klassenzimmer: Idealerweise Größe zwischen 60 und 75 m2 bei max. 24 Schülern.

Frage:  Wir haben Zimmergrößen zwischen 50 und 55 m2. Wie kriegen wir das hin? Können Sie das mal runterbrechen?

Antwort: Mit kleineren Klassen, z.B. 16 Schülern. Ansonsten: Vergessen Sie alles, was ich gesagt habe.
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Natürlich muss auch diese Verallgemeinerung korrigiert werden. Ja, es gibt Lehrkräfte, welche diesen Spagat versuchen. Teilweise erfolgreich, aber auch mit einer gehörigen Portion Frust verbunden. Sie haben die Wirksamkeit der Funktion Lerncoach im Vergleich zum "Alleinunterhalter" erkannt und verzweifeln oft daran, dass sie diese tollen Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen können. 



Unsere Lehrkräfte arbeiten heute unter Schulraumverordnungen mit m2/Schüler-Vorgaben, welche sich so gut wie NICHT von den Bedingungen um 1900 herum unterscheiden. Daran ändert auch das Digitale Klassenzimmer nichts! Daneben machen sich die jungen Lehrkräfte an Fachhochschulen und Unis fit für den Lehrerberuf, lernen  Lehrmethoden kennen und stellen während des Referendats fest, dass sich das Gelernte in der Praxis so gut wie nicht umsetzen lässt. Das ist bedauerlich und sollte als Appell an Politiker und Architekten verstanden werden. 

Politik und Gesellschaft fordern Bildung auf hohem Niveau nach Standards des 21. Jahrhunderts. Zur Verfügung stehen jedoch "Klassenräume", also die "Produktion",  welche nach Kriterien aus dem späten 19. Jahrhundert konzipiert wurden und weiterhin werden, wenn wir mal von W-LAN, Fassadendämmung, Feurschutz und Rollstuhlgängigkeit absehen.

Bis Klassenräume sich in  Lernräume wie diese hier verwandeln, dürften noch Jahrzehnte vergehen. In Österreich wird zumindest ernsthaft darüber diskutiert, wie man dahin gelangen könnte.   Toll, wenn dies auch in Sachsen-Anhalt, in Deutschland generell aufgegriffen wird.




Dienstag, 2. August 2016

Sprechen wir mal "von Schule" - Finanzielle Ausstattung und Kompetenzen

Betrachten wir die verflossenen drei Jahre, so wurde in Sachsen-Anhalt sehr viel über Verordnungen, personelle Versorgung, Mindestschülerzahlen und "Modernisierung" in den verschiedensten Variationen gesprochen. Auf der Strecke geblieben ist eigentlich eine vertiefte Auseinandersetzungen mit den "Werkzeugen", dank derer gute Bildung garantiert werden soll. In diesem und den folgenden Beiträgen gehen wir nun diese Thematik an:

1. Finanzielle Ausstattung.


Ich veröffentliche hier die Antworten eines Schulleiters auf gestellte Fragen. Zur Schule. Grundschule/Sekundarschule in der Stadt Zürich. Kindergarten/Einführungsstufe/Grundschule einzügig 6 Klassen, Sekundarschule A/B (7.-9. Schuljahr) zweizügig, total ca. 390 Schülerinnen und Schüler. Die Angaben sind in Franken gemacht. Nach heutigem Kurs beträgt der Wert eines Frankens 0.92 €.

Schulleitung:
  • Wieviele Wochenstunden unterrichtest du noch? Keine
  • Handelt es sich dabei um eine schülerbezogene Freistellung? Nein.
  • Anstellung Lehrkräfte: Bewerbungsgespräche bei Schulleitung? Empfehlung der Schulleitung bindend? Die Bewerbungen richten sich an die Kreisschulpflege (Anstellungsinstanz). Diese prüft die Einstellungswürdigkeit und gibt das Okay für die weitere Bearbeitung der Schulleitung (Bewerbungsgespräch, Einstellungsempfehlung bindend – Allenfalls Rückweisung der Bewerbung auch durch die SL)
  • Schulausfall wegen Krankheit: Springerpool der Schulleitung oder der Bildungsdirektion bei Ausfällen, welche länger als drei Tage sind? Die Gemeinde (Stadt Zürich) übernimmt für die erste Zeit (1-3 Tage) die Vikariatskosten. Die Schule ist jedoch selber für die Suche nach einer Vikariatsperson in Charge. Alles was absehbar länger als 3 Tage dauert, übernimmt (und schreibt auch aus) die Bildungsdirektion (Kanton Zürich). Gemeint ist dann folgende Ausschreibung.

Klassen:
  • Standardlehrmittel weiterhin in Klassensätzen, welche zum Ende des Schuljahres zurückgegeben werden und durch die nächste Klasse wieder verwendet werden? In der Regel ja. Immer mehr Lehrkräfte beantragen bei der Schulleitung Zusatzkredit zur Anschaffung eines speziellen Lehrmittels. Das trifft eher für die sprachlichen Fächer zu und kann meistens bewilligt/bezahlt werden.
  • Das Amt des "Schulmaterialverwalters" gibt es weiterhin? Ja.
  • Verbrauchsmaterial (Hefte, Arbeitsblätter etc.) weiterhin aus dem Schulmaterial-Pool? (Bei uns vielfach durch Eltern zu bezahlen) Ja, Materialpool pro Schüler – zusätzliches kann via Klassenkredit angeschafft werden. Dabei ist die Büro- und Schulmaterialverwaltung der Stadt Zürich zu berücksichtigen. PS: Nach wie vor gilt „Die Volksschule ist kostenfrei.“
  • Jahreskopierkontingent/Klasse Primarschule? (Bei uns Kopierpauschale, welche von den Eltern eingezogen wird) Keine Kopierkärtchen mehr. Alle kopieren frischfröhlich drauflos. Der Budgetmann  erbleicht zuweilen. Dann schreibt die Schulleitung ein mahnendes bis drohendes Mail an die Kopiergemeinschaft. Müder Witz: Bitte keine roten Ferraris in Klassensätzen kopieren. Danke.  
  • Klassenbudget zur freien Verfügung? Summe/Jahr? Klassenkredit Sekundarstufe ca. Fr. 600.-- / Primarstufe ca. Fr. 800.--
  • Pauschalbudget Primarschule für Projekte etc.? Summe/Jahr / Diverse Pauschalen (Projekte, Exkursionen, Klassenlager) im GKKS (Globalbudget) eingestellt. Kosten müssen mit Projektplanung bei der Schulleitung beantragt werden und können in der Regel bewilligt werden. Als Schulleiter nehme ich zunehmend pädagogisch fragwürdige Anträge wahr (Spassgesellschaft). Eine Wanderung scheint auf der Sekundarstufe zum Beispiel kaum mehr durchführbar zu sein, wenn nicht mindestens ein Kletterpark oder eine Trottinettbergabfahrt und anderes (Spa!) damit verbunden ist.
  • Im Weiteren erinnere ich mich an ein "Globalbudget" für die Schule. Gibt es das noch und wie hoch? Summe/Jahr Ja.  ca. 350‘000.—für die ganze Schule.


Man kann also festhalten, dass  ca. 1000 Schweizer-Franken pro Schüler in ein Globalbudget der Schule fließen, welche weitgehend für individuelle Zwecke, Verbrauchsmaterialien und Schul- oder Klassenprojekte verwendet werden. Auch in der Schweiz liegt die Schulhoheit bei den Kantonen (Bundesländern), was zur Folge hat, dass die Zahlen differieren. Grundsätzlich sind jedoch teilautonom geleitete Schulen und deren finanzielle Ausstattung ein Modell, welches inzwischen Flächen deckend zur Anwendung kommt.

Damit erhalten Schulleitung und Lehrkräfte die Möglichkeit, konzeptionelle Ideen oder Klassen bezogene Projekte auch zu finanzieren, aber auch personalplanerisch ihre Teams optimal zu besetzen. Dies hat natürlich einen wesentlichen Einfluss auf die Schulqualität.

Mittwoch, 27. Juli 2016

6. Regionalisierte Bevölkerungsprognose - bringt was?

Seit einigen Tagen wird von der 6. Regionalisierten Bevölkerungsprognose gesprochen. Finanz- und Bildungsministerium nehmen in Presseerklärungen bereits Bezug darauf. Im Newsletter von STARKIII  lässt folgender Abschnitt aufhorchen:


Wir kriegen also in Kürze eine neue Bevölkerungsprognose.  Nur arbeiten kann man damit für die laufende Antragsperiode 2016 nicht, obwohl bekannt ist, dass sich die Zahlen im Trend besser entwickeln, als in der alten Prognose dargestellt.  

Im Weiteren habe diese Prognose zur Folge, dass weniger Schulen als früher befürchtet geschlossen werden müssten. Ach ja, indem man für die STARKIII-Demografie-Checks 2016 weiterhin mit den alten Zahlen planen muss?  Presseerklärung des Ministeriums der Finanzen.

Bemerkernswert ist ein weiterer Punkt, dargelegt im Beitrag der MZ "Zahl der Anhalter sinkt langsamer als befürchtet"

Er stellte die aktuelle Bevölkerungsprognose für das Land vor, die in der Regel alle drei Jahre neu erarbeitet wird.

Die 5. regionalisierte Prognose stammt aus dem Jahre 2010, basierend auf Zahlenmaterial vom 31.12.2008. Mit diesen Werten  sollen STARKIII-Antragssteller auch 2016 weiter planen.  Eine Prognose 2013, wie eigentlich vorgesehen, gibt es nicht, weil man den Zensus abwarten wollte. 


War 2012 -2016 eine einzige schulpolitische Zwängerei?

Grundschule Stolberg, geschlossen
Genau in dieser Zeit fand  der massive Eingriff in die Schulinfrastruktur des ländlichen Raumes statt. Dies mit einer Prognose als Richtschnur, welche nun plötzlich positiver ist, als damals dargestellt. Die nun angekündigte (aber noch nicht greifbare) 6. Bevölkerungsprognose kommt  mit drei Jahren Verspätung und viele Kommunen werden feststellen, dass sie auf Basis einer nachträglich korrigierten SEPL-VO2014 und einer fragwürdigen Bevölkerungsprognose voreilig und unnötig Schulen geschlossen und Ortsteile und Verbandsgemeinden unnötig geschwächt haben. Wie ein Stachel im Fleisch dürfte auch die Ankündigung Schulverband (übrigens seit 2014 im Raume!) bei den Eltern und Politikern der betroffenen Schulstandorte sitzen.

Weiterhin werden die Kommunen in diesen Wochen und Monaten  in STARKIII-Projekte und den Demografie-Check mit der alten Prognose getrieben. Unverändert  bleiben die illusorische Richtzahl "mindestens  100 Kinder 15 Jahre nach Projektabschluss". Egal ob 5. oder 6. Regionalisierte Bevölkerungsprognose, dieser Richtwert ist und bleibt ein Schulschließungshebel im normal besiedelten ländlichen Raum.

STARKIII ist EINE Baustelle, isoliert dargestellt, da mit verheerenden Wirkungen. Die Verknüpfung der angekündigten Schulverbände mit diesem Programm scheint nicht vorgesehen und auch nicht realisierbar. Dazu herrscht weiterhin  großes Schweigen.

Ja, was bleibt? Der Verstand sagt: Schulschließungsstopp, bis diese verschiedenen Planungsebenen STARKIII/SEPL-VO2014 und Schulverband endlich harmonisiert  sind. Gefragt ist da der Landtag!


Donnerstag, 30. Juni 2016

Förder-, Elternvereine und Lehrkräfte: Unterrichtsversorgung 2016/17 überprüfen

In den letzten Tagen erreichen uns von verschiedenen Grundschulstandorten Hilferufe bezüglich der Lehrerstundenzuteilung und der personellen Ausstattung, was das Schuljahr 2016/17 betrifft.

Wir verweisen an dieser Stelle auf den Runderlass des Bildungsministeriums vom 23.04.2015, in welchem die Regeln eigentlich unmissverständlich aufgeführt sind. Hier der Screenshot der Passage "Grundversorgung":


Nicht im Grundbedarf drin sind die zusätzlichen Stunden für Inklusion und Zusatzstunden für bestimmte Schulkonzepte.

Laut diesem Erlass errechnet sich also der Grundbedarf einer Grundschule mit 65 Schülern wie folgt:

1,3 x 65 (Schüler) + 17 (Stunden/Schule) =  101,5 Lehrerstunden/Woche

Für eine Grundschule mit 85 Kindern:

1,2 x 85 (Schüler) + 17 (Stunden/Schule) = 119 Lehrerstunden/Woche


Nachrechnen! 

Wir sind interessiert, von euch Zahlen bezüglich eurer Schule zu kriegen, denn daraus errechnet sich auch die Unterrichtsversorgung in Prozent.

Eure Ergebnisse könnt ihr senden an:

Ernst Romoser: eromoser@gmx.net
Walter Helbling: walteranamur@gmail.com


Ab 6. Juli werden wir solche Problemfälle detailliert portraitieren.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Pressemitteilung Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort, 28.06.2016

Schulschließungsmoratorium Sachsen-Anhalt.
Dazu gehört auch Einbezug des Förderprogrammes STARKIII


GS Seyda
Seit Wochen wird in Sachsen-Anhalt das Thema Schulschließungsmoratorium zum dritten Male in den letzten 4 Jahren thematisiert. In einer Pressemitteilung vom 27.06.2016 fordert die Partei Die Linke ein sofortiges Moratorium, damit weitere Schulschließungen verhindert werden können. Dasselbe Anliegen vertritt die FDP-Sachsen-Anhalt seit einer Woche. Dieses soll so lange dauern, bis die Schulentwicklungsplanung um das Thema Schulverbände ergänzt wird und auf einer soliden gsetzlichen Grundlage steht. Dieser Vorstoß ist zu begrüßen. Wer weitere Grundschulschließungen verhindern will, muss jedoch auch das Förderprogramm STARKIII einbeziehen.


STARKIII ist ein Schulschließungsprogramm


Der vom Lande verlangte Demografie-Check von Antragsstellern für das STARKIII-Programm verlangt eine Mindestschülerzahl für die einzelnen zu sanierenden Standorte und zwar 15 Jahre nach Projektabschluss. Diese beträgt 80 (ländlich dünn besiedelter Raum) oder 100 Kindern (normal besiedelt). Diese Vorgabe kann in den ländlichen Regionen nur erreicht werden, indem Standortgemeinden aus drei Schulen zwei oder eine machen. Eine derartige weitere Schließungswelle kann sich Sachsen-Anhalt im ländlichen Raume nicht leisten. Bereits in diesem Jahr sollen die Kommunen ihre Anträge einreichen!

Nur in sich bestandsfähige Schulen dürfen mit STARKIII saniert werden!


Das Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort fordert im Zusammenhang mit dem neu thematisierten Schulschließungsmoratorium:

  1. Aussetzung der laufenden Schulplanung und zwar so lange, bis die gesetzlichen Grundlagen und die konkrete Umsetzung des Themas Schulverbünde in der Praxis Flächen deckend umgesetzt werden können. (Modellversuche sind kein Grund, das Moratorium aufzuheben!)
  2. In der Förderperiode 2014-19 dürfen nur Schulen von STARKIII profitieren, welche den geforderten Demografie-Check mit den eigenen Schülern erreichen. Bis Schulverbünde Wirklichkeit werden, müssen Fusionen unterbleiben. Andernfalls drohen weitere Schulschließungen.
  3. Für die kleineren Schulen im ländlichen Bereich wird für die Förderperiode 2019-2024 ein weiteres Förderprogramm aufgelegt, welches in den Richtzahlen (Demografie-Check) auf die neu erarbeiteten Mindestschülerzahlen bezüglich Schulverbünden und Mindestschülerzahlen abstützt und perspektivisch Raum nach unten lässt. ( z.B:Heute Mindestschülerzahl 60 = Mindestschülerzahl 40 im Jahre 2035).
  4. Nichts ist unmöglich, das zeigt jedenfalls das sächsische Beispiel: Schulschließungsmoratorium und mehr jahrgangsübergreifende Beschulung sind dort längst Realität und tragen dazu bei, dass Schulstandorte demografiefest werden.

Erst mit diesen Maßnahmen ist für die Kommunen des ländlichen Raumes Planungssicherheit gegeben und kann Zukunft langfristig geplant werden.

Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort
Walter Helbling
Ernst Romoser
Heinz Josef Sprengkamp


Donnerstag, 23. Juni 2016

***news***STARKIII liegt auf Eis ***news***

Eine Meldung, welche aufhorchen lässt:

Für die Schul- und Kitasanierung werden EU-Töpfe angezapft, um die Gebäude energetisch auf Vordermann zu bringen (Stark-III-Programm). Moderne Kessel, Dämmung und Fenster helfen, Heizkosten zu senken. Aufs Geld gefreut haben sich jetzt etwa das Gymnasium Tangermünde, die Grundschulen in Güsten und Ilsenburg oder die Kita Bördewichtel in Wefensleben. Insgesamt sollen in alle 30 Vorhaben 58 Millionen Euro investiert werden. 75 Prozent davon fördert Brüssel.
Doch in diesem Jahr wird sich keine Hand rühren. Das Geld fließt erst, wenn die EU die Anträge aller Schulen und Kitas komplett geprüft hat. „Eine fortlaufende Bewilligung, wie bislang üblich, gibt es nicht mehr“, sagt ein sichtlich enttäuschter Finanzminister André Schröder (CDU) auf Anfrage der Volksstimme. ...
...Ehe alle Order umgesetzt sind, vergehen noch Monate. Zahlungsanträge sind erst ab dem zweiten Halbjahr 2017 möglich, stellen Fachbeamte fest. Und das, obwohl die aktuelle Förderperiode schon seit 2014 läuft. Für Sachsen-Anhalt liegen 2,6 Milliarden Euro bereit.

In erster Linie betroffen sind die Projekte, welche bereits einen Vorbescheid haben. Daneben muss offenbar die gesamte Bewilligungsstruktur neu aufgegleist werden. So lange dies nicht der Fall ist, kann auch nicht entschieden werden.
Allerdings dürften auch die STARKIII-PLUS Antragsfisten nicht mehr zu halten sein, da hier ja ebenfalls eine etappierte Antragsstellung vorgesehen ist, was offenbar von der EU nicht gewünscht wird.

Eigentlich ein idealer Zeitpunkt und auch das ideale Zeitfenster, diese STARKIII -Bedingungen,welche das Land aufgegleist hat, zu überprüfen. Dabei geht es insbesondere um die Eckwerte des Demografie-Checks, welche dringend angepasst werden sollten, soll der ländliche Raum nicht komplett ausbluten, was das ortsnahe Schulnetz betrifft..

Wichtig für die Gemeinden: Jetzt erst recht gar nichts überstürzen!