Google+ Aktionsbündnis Grundschulen vor Ort Sachsen-Anhalt

Donnerstag, 22. Juni 2017

Wieder gehen zwei Grundschulen vom Netz - Opfer von STARKIII


Morgen geht an mindestens zwei Grundschulen in Sachsen-Anhalt nicht nur das Schuljahr zu Ende. Vielmehr werden die Schulgebäude endgültig als Bildungsstätten geschlossen. Der Grund sind nicht mangelnde Schülerzahlen, sondern der Tanz um Fördergelder, für deren Erhalt bestimmte Schülerzahlen vorgehalten werden müssen.

Grundschule II, Hettstedt
Die Grundschule II in Hettstedt ist eine Unesco-Projektschule. In der Abwägung, schon längst notwendige Investitionen zu tätigen, fielen die Würfel auf STARKIII-Gelder für die Grundschule V, die Novalisgrundschule. Damit die notwendigen Schülerzahlen für den Demografie-Check erreicht werden konnten, hat man sich zur Schließung der GrundschuleII am Bahnhof entschieden. Ein pädagogisch interessantes Konzept findet nun ein abruptes Ende und die meisten Schüler reisen ab nächstem Schulahr quer durch die Stadt an einer bestehenden Schule vorbei zu ihrem neuen Schulort. 

Grundschule Rottmerselben
Der Kampf der Eltern aus Rottmerselben um ihren Schulstandort war hier seit Jahren ein Thema. Hier zeigt sich, welchen Einfluss die Ortsteile NACH der Gemeindegebietsreform auf ihre Infrastrukturen noch haben. Die Schule selbst wäre bestandsfähig. Die Förderkulisse hat innerhalb der Einheitsgemeinde jedoch zum Entscheid geführt, mit Fördergeldern in Hermersdorf eine neue Grundschule zu errichten. Damit endet eine lange Schulgeschichte und Tradition, welche den Ort mitgeprägt hat und in Zukunft fehlen wird..

Jede Schulschließung ist eine zuviel. Wenn es sich dabei zusätzlich um bestandsfähige Schulen handelt, ist das ein brutaler Eingriff in die Infrastruktur eines Ortes oder eines Stadtteils mit Folgen für die weitere Entwicklung. Das immer wieder vorgebrachte Argument der fehlenden Mittel  ist lächerlich. Geld ist da in Hülle und Fülle und in weit höherem Maße, als in den vergangenen Jahren vorausberechnet. Alles dreht sich um die Frage der Verteilung der Mittel und das muss nicht vor den Bürgern bejammert, sondern mit Nachdruck in Magdeburg eingefordert werden.

Mittwoch, 21. Juni 2017

"Wir wollen es wissen" - läuft !

Wir haben in den vergangenen Jahren und gerade wieder aktuell das Fern-Pingpong zwischen Bildungsministerium und betroffenen Eltern, Lehrkräften und Verbänden bis zum Abwinken erlebt. Offensichtlich berechtigte Fragen oder Kritik (mit Ausnahme des nun offensichtlichen Lehrermangels) werden mit sehr oberflächlichen Antworten wie "bedauerlicher Einzelfall", "unsere Schulen sind besser, als Sie das hier darstellen", "wir haben moderne Schulen, welche keinen Vergleich zu scheuen brauchen" usw. abgebügelt. Verbreitet werden diese Meldungen vielfach über dpa und damit wird dann die öffentliche Meinung gesteuert.

Was für eine tolle Schule!

Wie perfekt und modern unsere Grundschulen doch sind, wie innovativ die Konzepte und Kooperationen zwischen Lehr- und Speziallehrkräften aus der Sicht des Bildungsministeriums sind, erfährt man, wenn es darum geht, wirklich zukunftsgerichtete moderne Konzepte von freien Schulträgern, welche Antrag auf Eröffnung einer Schule stellen, schlecht zu reden. Das klingt dann wie folgt:. 

Wo sind diese öffentlichen Schulen? Wie schaut es in der Realität aus?

Ja,angesichts solcher Beschreibungen staunen wir dann jeweils. Wir sehen dies vor Ort anders, hören dies von betroffenen Eltern und Lehrkräften anders und glauben ganz einfach, dass die kommunizierte  Darstellung des Bildungsministeriums bezüglich öffentlicher Grundschulen und Realität vor Ort überhaupt nicht zusammenpassen.

Deswegen unsere Umfrage: Sie als Eltern haben das Wort! Ihre Meinung ist wichtig!


Wir wenden uns  mit einer  Umfrage an die Eltern von 3./4.Klässlern, welche öffentliche Grundschulen in Sachsen-Anhalt besuchen. Wir grenzen auf diese Altersgruppe ein, weil in der Eingangsstufe bereits eine Begriffsverwirrung bezüglich Unterrichtsmethoden und Klassenorganisation  herrscht, welche  in Umfragen kaum noch abgefragt werden kann.

Unser Ziel ist es: Möglichst viele öffentliche Grundschulen zu erfassen. Um zu vermeiden, dass nun Dutzende von Wertungen auf eine einzelne Schule fallen, hier die eingegangenen Fragebogen, Stand heute abend 19 Uhr. Danke allen Teilnehmern fürs Mitmachen! :

Aktueller Stand 22.07.2016 21 Uhr



Wir betonen nochmals: Wir fragen die öffentlichen Schulen ab, denn es wäre schade, die Verantwortlichen der öffentlichen Schulen mit bereits funktionierende gute Konzepten freier Schulträger zu belohnen - werden doch genau deren tollen Konzepte  seit 3 Jahren mit seltsamen Argumenten abgelehnt, siehe obige Begründung.

Hier die Umfrage - machen Sie mit! Danke.

Dienstag, 20. Juni 2017

Erkennt ihr eure Schule?

Hier eine Beschreibung des Ist-Zustandes an öffentlichen Schulen aus der Sicht des Bildungsministeriums:

Der vorgelegte Wochenplan ist im Grundschulunterricht aller Grundschulen ein gängiges Arbeitsinstrument und stellt somit keine Besonderheit dar, aus der man ein besonderes pädagogisches Interesse ableiten könnte.

Ansätze wie Werkstattunterricht und ein Freigehege für Haustiere als tiergestützter pädagogischer Ansatz im Zusammenhang mit der Lebenssituation im ländlichen Raum begründen kein besonderes pädagogisches Interesse.

Reformpädagogisches, inklusives Arbeiten an den Grundschulen findet sich ebenso an den öffentlichen Grundschulen des Landes.

An vielen Grundschulen haben Lehrkräfte inzwischen das Montessori-Diplom erworben.

Inklusion, Demokratie und Friedenserziehung sind Grundprinzipien der schulischen Arbeit aller Schulen. (Gesetzesverweis)

Dies kommt nicht nur darin zum Ausdruck, dass inzwischen fast alle Grundschulen über Erfahrungen im gemeinsamen Unterricht verfügen, sonderpädagogische Fachkompetenz an den öffentlichen Schulen vorhanden ist und die Öffnung der Schule für ihr Umfeld und ihre Region gelebte Praxis und in den Schulprogrammen verankert ist.

Auch jahrgangsübergreifender Unterricht wird an Grundschulen regelhaft praktiziert, die Arbeit in multiprofessionellen Teams ist an den Schulen angekommen.

Darüber hinaus nehmen zahlreiche Programme wie z.B „zertifizierte Schule mit inklusivem Schulprofil“ oder „Schule mit Courage“ Bezug auf die schulische Verantwortung in den obgenannten Bereichen.

Erkennt ihr eure Schule?  Falls ja, bitte bei uns melden oder in  unserer facebook-Gruppe kommentieren. Falls nein, sind natürlich genau so Kommentare willkommen.

Von besonderem Interesse für uns ist das Thema Wochenplan. Findet in der Grundschule eures Kindes Wochenplanunterricht statt?  Falls ja: Bitte sendet uns die Wochenpläne eures Kindes der vergangenen 4 Wochen (könnt ihr oder wird durch uns anonymisiert). Dankeschön.

walteranamur@gmail.com

Sonderpädagogische Fachkompetenz: Wieviele Wochenstunden zusätzliche Fachkompetenz im Klassenzimmer gibt es bei euch?

Mit euren Rückmeldungen noch VOR den Sommerferien unterstützt ihr uns sehr. Danke.

Freitag, 16. Juni 2017

Zeugnis 2017 (3): Pädagogische Mitarbeiter

In der gesamten Diskussion um Versorgung mit Lehrkräften, Stundenausfällen, rückt das Thema Pädagogische Mitarbeiter in den Hintergrund. Auch dieses Feld ist er sehr wichtig, denn hier fand und findet in Grundschulen ein Abbau statt, der tiefe Spuren in der vom Bildungsministerium so hoch gelobten Bildungslandschaft hinterlässt.

Pädagogische Mitarbeiter:  Keine Note, da Fachbereich in Auflösung!

Konzept Bildungsmnisteriums 2014

Grundlage für diese Aussage ist das “Konzept für den Einsatz von pädagogischen Mitarbeitern” des Bildungsministeriums Stand 26.04.2014. Daraus geht hervor:
  • In den kommenden 8 Jahren gehen beinahe 50% der Pädagogischen MitarbeiterInnen in Rente.
  • Das Berufsprofil “Pädagogische Mitarbeiter” ist ein Auslaufmodell, Nachwuchs wird nicht mehr ausgebildet.
  • Stattdessen sollen neu MitarbeiterInnen aus verschiedenen definierten Studiengängen die Lücken füllen, wobei auch von “Leistungserbringern” gesprochen wird. 
Konzept Bildungsministeriums 2014

Der Unterschied zwischen 2014 und 2016
Was bereits im Konzept auf einen deutlichen Abbau der Personalausstattung von Grundschulen hinweist, hat durch neue Maßnahmen der Bildungsdirektion eine zusätzliche Dynamik gewonnen:

  • Nach 20 Jahren Nicht- oder nur Teilanerkennung der DDR-Diplome kriegen über 100 Pädagogische Mitarbeiterinnen plötzlich Stellenangebote als Klassenlehrkraft, fehlen also im Tableau des Konzeptes von 2014. Die entstehenden Löcher sind gravierend, müssen teilweise durch Überstunden der Lehrkräfte aufgefangen werden.
  • Ersetzt werden diese Abgänge nicht und wenn doch,  vielerorts durch Menschen, welche über 50+ Programme zuerst “in Arbeit” gebracht werden und sich plötzlich in der Funktion der pädagogischen Mitarbeiterin wiederfinden. Mit welcher Qualifikation?
  • Das Bildungsministerium schließt also eine Lücke, indem an einem andern Ort ein neues Loch aufgerissen wird...

Der Qualitätsabbau ist gravierend

  • Arbeitsbelastung für Lehrkräfte steigt wegen erhöhter Klassenrichtwerte und nicht mehr anrechenbarer Sonderfunktionen innerhalb der Schule ohnehin schon an.
  • Versorgungslücken im Schulalltag durch Abbau der Pädagogischen Mitarbeiter steigen und müssen, genau so wie der Krankenstand von Lehrkräften, durch das “Rest-Kollegium” aufgefangen werden. Über Monate!
  • Folgen sind vielfach psychische und physische Überbelastung des verbliebenen Rumpfteams, neuer krankheitsbedingter Ausfall, noch mehr Arbeit auf noch weniger Schultern. Ein Teufelskreis.

Es wird weiter an der Sparschraube gedreht !

Das alles haben Eltern, Lehrkräfte, insbesondere Schulleitungen schon längst wahrgenommen und sind entsprechend aufgebracht. Schulleiter kriegen dann einen Maulkorb verpasst, Eltern werden auf bessere Zeiten vertröstet (wie lange schon??) und die Lehrkräfte selbst sollen jetzt mit Überstundenbonus motiviert werden, doch einfach etwas mehr zu arbeiten. WAS passierte denn bisher? Wieviele Prozent der geleisteten Überstunden konnten bezogen werden, wieviele sind ersatzlos mit Ende des Schuljahres verfallen? Was für ein Arbeitgeber!!!

Ganz genial der aktuellste Vorschlag der SPD mit Anrechnung der Überstunden auf Lebensarbeitszeit = frühere Verrentung! Darf man nachfragen? Bei frühzeitigem Ableben der Lehrkraft oder Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis fällt die erwirtschaftete und nicht ausbezahlte Leistung der verstorbenen Person an den Staat, in die Erbmasse oder gibt es eine Barauszahlung? Billiger geht es wohl nicht mehr! Andere Länder kennen bezahlten Bildungsurlaub von bis zu 6 Monaten nach 10 Jahren Diensttätigkeit oder Sabbat-Jahr, teilweise kombiniert mit Bildungsurlaub, der Rest unbezahlt.

DAS die ernüchternde Bilanz zum Ende des Schuljahres mit wenig Aussicht auf wirkliche Veränderung für 2017/18.

Wir weisen hin auf das Volksbegehren "Den Mangel beenden..unseren Kindern eine Zukunft geben". Ziel des Begehrens ist es, dass das Land bedeutend mehr Mittel zur Verfügung stellt, um die benötigten Lehrkräfte anzustellen.


Mittwoch, 14. Juni 2017

Zeugnis 2017 (2) Thema Kankheitsbedingter Lehrerausfall

Überall, wo Menschen arbeiten, entstehen krankheitsbedingte Absenzen, auch in unseren Schulen. Für diesen Fall greifen die Landesschulverwaltungen und Politiker auf die so genannte Vertretungsreserve zurück. Letztere kann jedoch nur aktiviert werden, wenn eine Grundausstattung von 103% in der Lehrerversorgung existiert. (Grundversorgung 100% + Vertretungsreserve). Dies die Theorie. Ausgeblendet wird offenbar, dass in einem Lehrkörper mit Durchschnittsalter 50+ deutlich mehr als die berechneten 3% des Personals erkranken.

Die Realität an unseren Grundschulen im Jahre 2017: Die Unterrichtsversorgung beträgt je nach Quelle zwischen 96 und 98%.  Dies bedeutet: Nicht alle Stellen sind besetzt. Noch krasser:  In diesem Prozentwert sind die kurz- und mittelfristig erkrankten und somit nicht im Unterricht verfügbaren Lehrkräfte mit eingerechnet. Wir setzen den wirklichen Krankenstand mal eigenmächtig auf einen aus unserer Sicht tiefen Wert von  6 - 8%. Daraus resultiert eine tatsächliche Unterrichtsversorgung von unter 90%. Diese Ausfälle werden von den restlichen Lehrkräften über längere Zeiträume durch Mehrarbeit, Klassenzusammenlegungen oder Beaufsichtigung durch pädagogisches Personal kompensiert. Wirklicher Ersatz, (nicht Abordnung aus einem anderen Schulhaus, wo die Lehrkraft dann fehlen wird! ), kommt, wenn überhaupt, durch das Landesschulamt, was aber Wochen, wenn nicht Monate dauern kann.

Vertretungsreserve? Wo nicht mal eine 100%-Versorgung sicher gestellt ist, erübrigt es sich, von Vertretungsreserven zu sprechen… Darunter wäre ja zu verstehen, dass solche Vertretungen innerhalb von z.B. 48 Stunden vor Ort und einsatzbereit sind. Dem ist nicht so. Der einfache Grund: Diese “Reserve” ist physisch nicht vorhanden, also imaginär. Wer kurzfristig in diese Lücke springt, wird von einer anderen Schule abgezogen und hinterlässt ein Loch, welches dort wieder von Kollegen gestopft werden muss.

Personalmanagement “Krankheitsbedingter Lehrerausfall” Note 6 !

Trotz einer nicht existierenden Feuerwehr erklären sich Bildungsministerium und Landesschulamt als alleine zuständig für die Brandbekämpfung! Der Löschtrupp wird in Tat und Wahrheit erst NACH Brandausbruch im Ausschreibungsverfahren gesucht.

Wann kommt endlich der  Schulhaus bezogene Vertretungspool?
Seit Jahren fordern wir, dass Schulleiter die Möglichkeit kriegen, sich eine regionale/örtliche Vertretungsreserve anzulegen. Wie das funktioniert, ist hier beschrieben und am Beispiel Bayern praktisch und verwaltungstechnisch dargestellt.
Dabei gibt es zwei Ebenen, auf denen sich Interessenten anmelden können:
  • Schulhaus bezogen über Schulleitung, wenn sie einen solchen Einsatz nur als “Notnagel” , an diesem Ort und  für eine beschränkte Zeit ins Auge fassen. 
  • Landesbezogen, weil sie sich derartige Einsätze auf Abruf regional oder landesweit durchaus vorstellen können. In beiden Fällen wird vorab geprüft, ob die sich interessierende Person für diesen Einsatz qualifiziert ist. 
Angesichts des derzeit dargestellten Anforderungsprofils des Landesschulamtes für temporäre Einsätze, muss dasselbe Profil auch für den Vertretungspool gelten. Nach erfolgreicher Prüfung gelangt die Vertretungslehrkraft auf die Liste der entsprechenden Schulleitung oder des Landesschulamtes.

Der immer wieder vorgebrachte Widerspruch: “Wir finanzieren doch keine Lehrkräfte, welche im Wartezimmer auf ihren Einsatz warten”, zeigt, wie wenig sich gewisse Leute überhaupt in dieses Thema hineinzuarbeiten bereit sind.  

Deswegen nochmals zusammengefasst:

  • schulhausbezogener Vertretungspool bedeutet: Schulleiter haben auf Eigeninitiative oder durch das Landesschulamt zugetragen eine Liste mit bereits vom Landesschulamt anerkannten Lehrbefähigten, welche bereit sind, bei Unterrichtsausfällen  kurzfristig an dieser Schule einzuspringen.
  • Diese Personen stehen zwar auf der Liste, kosten jedoch erst ab dem Zeitpunkt, zu welchem sie eingesetzt werden. Dadurch, dass die Unterlagen bereits vorgängig geprüft wurden, steht im Krankheitsfall einer Lehrkraft einem sofortigen Einsatz eines Ersatzes nichts im Wege.
  • Um dieses Personal auch bezahlen zu können, bedarf es des Budgetpostens Vertretungsreserve, welcher separat im Haushalt eingestellt werden muss. Dazu ein Hinweis: Grundlage darf nicht der Wert “ausgefallene Schulstunden” sein. Vielmehr sollte man sich am Durchschnittswert der landesweit ausgefallenen Lehrerstunden orientieren. Es ist ebenso klar, dass diese Position in einem Jahr vielleicht nicht voll ausgeschöpft, in einem anderen Jahr jedoch überzogen wird.

Wir erheben nicht den Anspruch, mit diesem Schulhaus bezogenen Vertretungspool würden die Lücken bei krankheitsbedingtem Lehrerausfall schlagartig geschlossen. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass damit mindestens 20-30% der “Notfälle” bereits auf Stufe Schulleitung unkompliziert geregelt werden können. Diese Quote steigt von Jahr zu Jahr und entlastet das Landesschulamt ungemein.


Wir halten fest, dass diese von uns seit 2014 vorgeschlagene Organisationsform gegenüber der jetzigen Praxis deutlich  effizienter ist und das Landesschulamt von so genannten Notfallübungen entlastet. Um so unverständlicher ist es, dass in der extrem angespannten Personalsituation keinerlei Schritte in diese Richtung unternommen werden.

Sonntag, 11. Juni 2017

Zum Ende des Schuljahres: Noten (1)

In zwei Wochen gehört das Schuljahr 2017 in Sachsen-Anhalt der Vergangenheit an. Es handelt sich dabei um das dritte Jahr in Folge, in welchem eine offensichtliche Unterrichtsversorgung mit Lehrern tiefe Spuren in der Bildungslandschaft hinterlässt, dies zum Nachteil unserer Kinder, vor allem aber auch als immer größere physische und psychische Belastung der Lehrkräfte.
Verschärft wird diese Situation im kommenden Schuljahr durch den Erlass des Kultusministeriums vom Mai 2017, wonach die schülerbezogene Stundenzuweisung reduziert wird. Dies bedeutet für die Schulleiter: Weniger Lehrerstunden zur Aufrechterhaltung eines gesicherten und qualitativ guten Unterrichts. Wir haben also die Situation, dass seit Jahren von einem absehbaren Lehrermangel gesprochen wird, dem das Bildungsministerium mit statistischer Rechenakrobatik zu begegnen versucht, wissend, dass in Tat und Wahrheit Unterrichts- und Bildungsqualität abgebaut werden. Damit zeichnet sich auch für 2018 ab, dass Improvisation, Überstunden, Klassenzusammenlegungen und /oder Stundenausfälle der rote Faden des Schuljahres 2017/18 sein werden. Irgendwie über die Runden kommen.....

Alles dreht sich um fehlende/kranke Lehrkräfte

Angesichts der prekären Unterrichtsversorgung greifen wir die dazu gehörigen 3 Themenkreise und unsere Vorschläge erneut auf. Wir halten fest, dass sich nichts, aber gar nichts in diese Richtung bewegt, obwohl damit viel mehr Flexibilität und Entschärfung der aktuellen Unterversorgung erzielt werden kann. Der ernüchternde Ist-Zustand kann auf dieser Seite abgelesen werden. Das Landesschulamt sucht zentral derzeit weder Vollzeit-Lehrkräfte, noch Vertretungslehrkräfte (Anforderungsprofil beachten!) Man könnte also davon ausgehen, dass Vollversorgung besteht. Dem ist jedoch nicht so, wie dieser aktuelle Beitrag zeigt. Es ist dieses zentralisierte Bewerbungssystem, welches es verunmöglicht, zeitnah auftretende Personallücken zu schließen.

Thema 1: Reguläre Vollzeit-Stellenausschreibung  Note 5

Enormer Handlungsbedarf, Arbeitsweise muss grundlegend verbessert werden

  • Ausschreibungen müssen dauerhaft für jede zu besetzende Stelle im Netz sichtbar sein und zwar ab dem Zeitpunkt, in welchem die Lücke sichtbar ist. z.B. Schulleiterin geht Sommer 2018 in Rente: Es ist also völlig logisch, dass diese Stelle JETZT ausgeschrieben wird.
  • Ausschreibung ist nicht nur funktional, sondern da präsentieren sich Schulteam und Standortgemeinde (evt. sogar mit dem Anbieten von Wohnraum!) mit verweisenden Links.. Das bringt Leben, Farbe und Individualität im Wettbewerb um Lehrkräfte. Im Zentrum stehen Schule und Schulstandort. Das Stelleninserat bleibt so lange online, bis die Stelle besetzt ist.
  • Ausschreibung geschieht durch Schulleitung und Standortgemeinde auf einem modifizierten Stellenportal des Landes oder einem neu zu schaffenden Portal einer anderen Institution. So was steht innerhalb von drei Wochen! Masken gibt es genügend.
  • BewerberInnen, welche sich NACH dem Kontaktgespräch mit dem Team und der entsprechenden Empfehlung FÜR diese Stelle entscheiden, werden auch hier angestellt. Das Landesschulamt nimmt die formalrechtliche Anstellung vor.

Im Gegensatz zum jetzigen System ist es also für Lehrkräfte möglich, sich frühzeitig nach Stellen umzusehen, sich intensiv mit Wohn- und Schulort zu befassen und sich DANN zu bewerben. Nicht das Landesschulamt, sondern Schulleitung und Standortgemeinde werben um Lehrkräfte. Hier ein solches Ausschreibungs-Modell, man beachte auch die Beschäftigungspensen!
Der mögliche Einwand, hier existiere eine kommunale Schulbehörde, ist nicht haltbar. In der Praxis gibt nämlich die Schulleitung die Empfehlung ab, welche von der lokalen Verwaltung übernommen und von der Bildungsdirektion formalrechtlich (Anforderungsprofil gewährleistet?) bestätigt wird.

Das derzeitige Ausschreibungsmodell des Landes Sachsen-Anhalt für Vollzeitbeschäftigte mag verwaltungstechnisch praktisch sein. Das Resultat sind jedoch Ausschreibungen, welche völlig unattraktiv und eigentlich demotivierend daher kommen. Im Gegensatz dazu diese Ausschreibung , in welcher sich gleichzeitig der Ort präsentiert und die Schulleitung persönlich um eine neue Lehrkraft wirbt.

Am Rande!
Eine immer wiederholte Forderung des Aktionsbündnisses Grundschulen vor Ort ist es, dass im Grundschulbereich mehr Kompetenz auf die Kommunen verlagert wird. Dies führt nicht nur zu kürzeren Entscheidungswegen. Viel wichtiger ist die Identifikation von Behörden und Bevölkerung mit der “eigenen” Schule auch in inhaltlichen Fragen. In der oben zitierten Ausschreibung findet sich auf der Gemeindeseite eine Schulbeschreibung, welche interessierten Lehrkräften derart viele Zusatzinformationen im Voraus liefert, dass sie sich ein weit über die reine Lektionentafel hinaus gehendes Bild von ihrem künftigen Arbeitsort machen können. All dies  sind doch die wirklichen Entscheidungskriterien, welche Lehrkräfte motivieren, sich überhaupt erst um  eine Anstellung zu bewerben.

Das gilt jedoch nicht nur für Lehrkräfte. Familien, welche mit dem Gedanken spielen, sich hier anzusiedeln, kriegen genau so ein Bild der Bildungsangebote und -schwerpunkte ihres künftigen Wohnortes. Standortwerbung mit einer funktionierenden, profilierten Schule… auch DAS hätten unsere Schulträger im ländlichen Raume Sachsen-Anhalts dringend nötig.


Stattdessen wird nun seit Jahren auf Landesebene über Lehrerversorgung und Haushaltsmittel diskutiert, streiten sich “Experten” seit 2014 um die Definition des “mutmaßlichen” Lehrerbedarfs, während die personelle  Versorgungsstruktur immer schwächer wird, Schulqualität verschwindet. 3 lange Jahre! Auszubaden haben dies die Kinder, die Lehrkräfte, die Eltern, die Standortträger. Effizienz geht anders.

Donnerstag, 1. Juni 2017

Unterstützung für Volksinitiative "Den Mangel beenden - Unseren Kindern Zukunft geben"

In den kommenden Tagen und Wochen finden an den meisten Grundschulen Tage der offenen Türe, Sport- und Abschlussveranstaltungen statt. Ein Schuljahr geht zu Ende. Wie die verschiedenen Medienberichte zeigen, gibt es für viele Schulleitung, Lehrerteams, aber auch Eltern, berechtigte Fragezeichen bezüglich Unterrichtsversorgung und Gestaltung des kommenden Schuljahres - Folge einer zusammengestrichenen schülbezogenen Lehrerstundenzuweisung und eines fortschreitenden Abbaus der pädagogischen Mitarbeiter an Grundschulen. 

Engagierte Eltern, Schulelternräte usw.. sollten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, bei diesen Veranstaltungen gezielt Unterschriften für diese Volksinitiative zu sammeln. Ziel der Initiative ist es, die Anstellungskorridore für Lehrkräfte deutlich zu erweitern und damit überhaupt mal eine vernünftige pädagogische Grundversorgung für unsere Kinder sicher zu stellen.  Ja, wir wissen, dass damit nur eine Baustelle in der Bildungslandschaft Sachsen-Anhalts  angegangen wird. Ohne ausreichende Unterrichtsversorgung erübrigt es sich jedoch, über Themen wie Inklusion, Integration, Arbeitsgruppen und neue Unterrichtsmodelle und -methoden zu sprechen. 

Es empfiehlt sich, die Aktionen mit den Schulleitungen abzusprechen, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Hier finden Sie alle Infos zur Volksinitiative und die Unterschriftenbögen zum Runterladen. Tragen wir alle dazu bei, dass die notwendigen 30 000 Unterschriften schnell zusammenkommen!  Danke.